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Montag, 12. März 2012

Der Tod

Heikles Thema.
Ich habe ein halbes Jahr nicht mehr an diesem Blog geschrieben. Vor einem halben Jahr starb mein Vater.
Aber ihm haben meine Posts immer gefallen und er wär sicher traurig, wenn ich damit aufhören würde. Ich reiß mich zusammen, das Leben geht weiter.
Aber nicht immer schön. Ich war sehr traurig, was die Kinder in meiner Gruppe auch mitbekamen. Zweijährige können schon ziemlich mitleidig gucken, auch wenn sie gar nicht verstehen, was da passiert ist. Für große Erklärungen sind sie noch zu klein, aber dass mein Papa gestorben und im Himmel ist, das war ich ihnen schuldig zu erklären. Erzieher (und auch Eltern) können nicht einfach traurig sein und nichts dazu erklären. Kinder denken nur allzu schnell, dass sie vielleicht der Grund dafür sind.
Das Thema Tod beschäftigte einige Kinder etwas mehr. Ein Mädchen, drei Jahre alt, fragte mich JEDEN Tag, wie mein Papa heißt und ob er im Himmel ist. Geduldig und ohne Tränen gab ich ihr jeden Tag die gleiche Antwort: "Er heißt Werner und ja, er ist im Himmel."
Das ging ein halbes Jahr so, bis von eben diesem Mädchen die Mutter starb. Krebs. Es kam sehr überraschend und schnell. Der Tod ging mir sehr nah. Als die Kleine das nächste Mal in die Kita kam, sagte sie ganz trocken: "Meine Mama ist gestorben. Meine Mama ist jetzt im Himmel."

Ich dachte nicht, dass sie begreift, was das bedeutet. Aber doch, das tat sie. Wenn ein Kind sagt "Du hast einen Fleck auf dem T-Shirt, das muss deine Mama waschen." dann antwortet sie. "Nein, meine Mama ist gestorben, das wäscht jetzt mein Papa." Es treibt den Erwachsenen Tränen in die Augen, die Kinder gehen nach dem Satz spielen.
Kinder empfinden nicht dieses unbegreifliche Entsetzen, das uns befällt, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Kinder denken nur kurz daran und vergessen bei der nächsten Ablenkung die Tragödie, spielen und lachen ungezwungen, bis es ihnen dann wieder einfällt, aber nicht lange, dann geht das Spiel weiter.
Natürlich merkt man dem Kind an, dass es eine schwere Zeit durchmacht, dass die Mama fehlt. Der Papa macht seine Sache sehr gut! Aber Mama fehlt halt...
Ich denke nicht, dass man Kinder vor dem Thema Tod "bewahren" sollte. Der Tod gehört zum Leben dazu.
Auf der Beerdigung meines Vaters waren auch die Kinder meiner Cousinen dabei. Der Älteste 8, der Mittlere 3, die Kleine 1. Der Große saß ernst und aufmerksam dabei, die Kleine rannte lachend den Gang rauf und runter (was mich ehrlich gesagt sehr entspannte) und der Mittlere lachte erst mit und schlief schließlich bei so viel monotonem Gebrabbel auf Mamas Arm ein.
Auch beim Gottesdienst zum Tod der Mutter meiner Gruppe waren viele Kinder anwesend, Schulkameraden des Sohnes. Jedes Kind durfte eine Kerze anzünden. Während die Jungs anstanden, haben sie sich leicht gedrängelt, gebufft und gelacht. Abgelenkt, ungezwungen.

Kinder gehen noch so unvoreingenommen an Dinge heran, die uns Erwachsenen die Füße wegreißen. Aber eben weil Kinder so ohne Scheu und Trauer damit umgehen können, ist es ein guter Zeitpunkt, es ihnen sachlich zu erklären. Sie verstehen schon mit 3 Jahren sehr viel.
Ich merke gerade jetzt, dass die Dreijährigen meiner Gruppe einen riesengroßen Drang haben, dieses Thema zu intensivieren. Sie spielen nur noch, dass jemand stirbt, gestorben ist, alle sind tot - und haben Spaß dabei. So makaber es klingt, Kinder verarbeiten alles aus ihrer Sicht und zum Thema Tod haben sie eigentlich keine Sicht, denn sie wissen nichts. Sie hören das Wort "Tod" und "gestorben", sehen, dass die Erwachsenen mit größten Emotionen darauf reagieren und wollen auch eine Reaktion haben. Aber sie ist noch ohne Inhalt, weil die meisten nichts erklärt bekommen und gar nicht wissen, was es bedeutet.
Ich möchte etwas erzählen, ganz sanft, ohne Angst zu machen. Ein paar Fakten, z.B. dass Tod bedeutet, dass etwas zu Ende ist. Dass der Körper begraben wird und die Seele in den Himmel kommt. Rein wissenschaftlich vielleicht nicht die richtige Erklärung, aber es ist doch ein schöner Gedanke, dass die Verstorbenen, die wir lieben im Himmel über uns wachen.
Und so fragt die Kleine mich oft, ob mein Papa jetzt im Himmel auf ihre Mama aufpasst.
Ich bin ganz sicher, dass er das macht...

Sonntag, 18. September 2011

Warum Freispiel so wichtig ist

Die Kinder einfach mal spielen lassen? Nicht anleiten? Wozu sind denn die Erzieher da?
Was erwartet ihr Eltern von uns Erziehern?
Natürlich leiten wir auch an. Aber nicht pausenlos und das ist auch gut so.
Die Kinder lernen bei mir schneiden, die Farben zu unterscheiden, wie sie mit Messer und Gabel umgehen, wie aus einer Klorolle ein Weihnachtsmann entsteht, 1000 Lieder und Spiele oder "BITTE" und "DANKE" zu sagen.

Aber wie sie die Freunde dazu kriegen, das zu spielen, was sie wollen, wie sie sich durchsetzen können und einen Streit ausfechten, das können sie nur von einander lernen.
Im Freispiel haben sie die Möglichkeit sich in jeder Hinsicht auszuprobieren.
Ganz wertvoll sind die Momente, in denen sie eine eigene Idee anbringen und die anderen Kinder darauf eingehen. Wow, die Kinderaugen strahlen, wie unterm Weihnachtsbaum und aufgeregtes Lachen bricht aus. Das kann ICH ihnen nicht zeigen.
Sie lernen das Zusammenspiel und dass vieles besser funktioniert, wenn sie es zusammen machen, beispielsweise eine Höhle zu bauen. Einer schmeißt die Decke auf den Tisch, ein anderer zieht sie gerade oder halt wieder runter - ist auch eine Erfahrung. Zu zweit geht es besser und schneller.
Die Kinder wollen mal ihr eigenes Spiel spielen, auch wenn wir Erwachsenen "schießen" und "ich hab keine Mama und keinen Papa mehr" blöd finden, für die Kinder sind es Entwicklungshighlights, die ersten Ansätze, selbständig und eigenverantwortlich zu werden.

Im Spiel entsteht auch mal Streit. Zwei streiten sich ums Machtmonopol, um ein Auto, um den Platz neben mir und sie lernen, sich durchzusetzen. Mal ist es ein kleiner Junge, dann wieder ein kleines Mädchen. Es ist für jedes Geschlecht und jedes Alter wichtig, eigene Erfahrungen zu sammeln, in dem sie sich ausprobieren.
Ich greife nur in Streitereien ein, wenn Gewalt ins Spiel kommt oder mich die Kinder bitten, ihnen zu helfen. Alles andere müssen sie alleine klären. Das schaffen sie auch.

Das gilt natürlich auch beim Basteln. Ich kann ihnen ein Bastelangebot nach dem anderen geben, vormalen, ausschneiden lassen, alles prima vorgekaut und kein Raum für eigene Kreativität. Erwartet ihr Eltern das?

Bei mir bekommen sie oft Papier, Schere und Klebestifte und los geht´s. Keine Vorlage. Da wird gemalt, geschnitten, gerissen, der halbe Klebestift auf´s Papier verteilt und doch kommt am Ende etwas dabei heraus, was das Kind eindeutig als Drachen identifiziert. Ich finde ihn schöner, als meine vorgegebenen Drachen und hänge es auf, das Kind ist stolz wie Bolle. (Schaut ihr euch eigentlich an, was an Basteleien so in Flur und Räumen hängt??? Keine Zeit? Aber es ist doch alles von EUREN Kindern!)

Freispiel auf dem Spielplatz ist übrigens genauso wichtig. Rennen lassen, sich jagen, als Räuber rumschleichen, zwei "Banden" gegeneinander - super ist das. Dazu gehört auch das Klettern und mal mutig sein. Dabei fallen sie auch schon mal, hauen sich die Lippe auf, haben den Mund voller Sand oder eine Beule. Nichts lebensbedrohliches. Der Sand und die Beule sind in 10 Minuten vergessen, die Erfahrung bleibt!!!
Negative Momente gehören nun mal auch dazu und ihr könnt eure Kinder nicht vor allem Schmerz dieser Welt fernhalten. Kinder stecken fast alles besser weg, als wir Erwachsenen, weil sie einfach viiiiiiel schneller vergessen und sich keine Gedanken mehr über die Beule machen, während wir Erwachsenen alle paar Minuten nach schauen, ob sie größer oder kleiner geworden ist, wann aus blau endlich gelb wird. Wir machen uns zu viele Gedanken und Sorgen.
(Auf den höchsten Baum brauchen sie trotzdem mit 4 Jahren noch nicht zu klettern, so ist es ja auch nicht!)
DAS sind jedenfalls die Momente, in denen die Kids wirklich lernen. Lernen, was in ihnen steckt, was Spaß macht, was sie nicht mögen oder wen sie nicht mögen. So entsteht Phantasie und Kreativität, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein.

Da können die Bananen blau sein und die Sonne grün, wenn ich sie frage, welche Farbe die Sachen tatsächlich haben, ist die Antwort: GELB.
Alles richtig gemacht.
Das solltet ihr auch zu hause machen. Die Kinder brauchen nicht rund um die Uhr Bespaßung. Sie können auch mal alleine spielen, malen, werkeln, tanzen und sich dabei Eigenes ausdenken, weil ihr zu tun habt. Das ist völlig in Ordnung, wenn ihr nur da seid, sobald sie eure Hilfe brauchen.
Und ihr nicht schimpft, wenn sie vielleicht auch mal sich oder die Umgebung dreckig machen...

Könnt ihr euch noch erinnern, was ihr euch als Kind von euren Eltern gewünscht habt, wie sie sein sollten oder was ihr vermisst habt?

Samstag, 10. September 2011

Fundsache

Wenn ihr wüßtet, was ich so alles finde.
Wo?
In den Windeln eurer Kinder...

Standart in fast jeder Windel ist EIN langes Haar von Mama. Ziehen die Kinder an den Haaren? Wird liebevoll absichtlich eins hineingeschmuggelt? Oder löst sich wie durch Zauberei ein Haar, um das Kind mit magischer Mutterkraft zu schützen? Wie auch immer. ZWEI Haare habe ich jedenfalls noch nie in einer Windel entdeckt.

Manchmal finde ich das Pipi von letzter Nacht darin. Wenn das Kind morgens kommt und bereits nasse Flecken an der Hose hat, weil die Windel nichts mehr (er)tragen kann, kann ich es mir nicht anders erklären. Pfui.

Natürlich finden sich auch mal echte Schätze in der Windel. 1 Cent zum Beispiel. Wenn ihr mich bestechen wollt, sollte es schon etwas mehr sein :-)
Falls euch ein Ohrring fehlt, hätte ich eine Idee, wo er sein könnte...

Gummibärchen und Smarties haben auch schon in so manchen Windeln ein geheimes Versteck gefunden. Und an dieser Stelle mache ich mal Werbung für Smarties (oder wie die Kinder sagen: "Martins"), in so einer Windel herrschen sicher tropische Temperaturen, aber die Zuckerummantelung hält dicht - keine Schokoflecken.
Bei Kindern, die gesünder leben müssen, findet man eher ein Stück Möhre.

Auch undefinierbare Papierfetzen finden sich im Windelbereich. Die Schatzkarte, wo die Gummibären dort versteckt sind? Mamas Einkaufszettel? Der Fahrschein von gestern? Man weiß es nicht.

Aber eins meiner Kinder ist ein echtes Phänomen. Die Fundsache gar nicht so spektakulär, aber wie ist er dahin gekommen?
Es ist Winter ohne Schnee, wir sind auf dem Spielplatz. Das Kind trägt einen Body, Strumpfhosen, einen Pullover, einen Schal und einen fetten Schneeanzug. Nach 30 Minuten Spielplatz packe ich das Michelin-Männchen aus, um die Windel zu wechseln und siehe da: Haufenweise Sand. Und das passierte bei nur diesem Kind JEDESMAL! Ein Rätsel, was ich nie lösen werde, denn im nächsten Winter braucht es keine Windeln mehr. Wie kommt der Sand bloß durch 100 Schichten in die Windel???? Irgendwelche Vorschläge?

Vielleicht schaut ihr nächstes mal vor dem Zukleben schnell noch mal nach. Andererseits ist es immer spannend eine Windel zu öffnen...

Freitag, 29. Juli 2011

Erzieherin im Urlaub

Yes Baby, die Kita hat zwei Wochen zu und wir Erzieherinnen können ganz entspannt Urlaub machen und mal richtig abschalten. Was all die Anderen so machen, weiß ich nicht, aber ich möchte mal zwei Wochen nicht an die Kita denken und nur "Erwachsenenkram" machen.
Saxophon üben, einen Aquarell-Malskurs belegen, in der Sonne liegen und lesen, einen Hamster kaufen, vernachlässigte Freunde besuchen und um Gottes Willen, nicht an die Kita denken.

In der ersten Woche fahre ich meine Eltern in Schleswig-Holstein besuchen. Abschalten, verwöhnen lassen, relaxen und das beste Essen der Welt.
Zufällig ist mein Vater Kunstmaler und den Aquarell-Malkurs mache ich bei ihm. Langsam und geduldig erklärt er mir die Techniken und lässt mich kleine Pröbchen malen. Wenig geduldig male ich gleich drauf los und vergesse Schritt 2 und 5. Darum sehen meine Bilder gar nicht mal so gut aus. Und während ich versuche, noch was zu retten, überlege ich schon, was ich als nächstes ans Kitafenster male. Ich wollte doch nicht an die Kita denken.

Ich krame mein Saxophon raus. Mein Vater spielt Gitarre und wir haben schon immer von einem Duett geträumt. Das Einzige was ich auf dem Saxophon kann ist "Happy Birthday", das Einzige was er auf der Gitarre kann ist "Freude schöner Götterfunken". Klingt im Duett irgendwie nicht harmonisch. Also übe ich die Götterfunken. Für "Happy Birthday" brauchte ich damals 2 Stunden, weil ich keine Noten lesen kann und alles nach dem Hören zusammenpuzzle. Die Götterfunken habe ich in 20 Minuten drauf, was mich schwer beeindruckt und so kommt es doch noch zu einem Duett. Aus dem Wohnzimmer kommt der Kommentar: "Damit würdet ihr in der Fußgängerzone viel Geld verdienen. Die geben es euch, damit ihr aufhört."
Also war´s nicht schön, aber lustig. Und ich überlegte, welche Weihnachtslieder ich wohl für die Kita auf die Reihe kriegen könnte.

Das Wetter hält sich in einem freundlichen Schwarz und so beschließe ich, statt zu lesen, shoppen zu gehen. In meinem Lieblingskramladen "Tedi" vertrödel ich 2 Stunden und habe am Ende etwas Bastelzeug für mich gefunden und Knete für die Kita, eine Magnettafel für die Kita, Zahlenmagnete für die Kita und ein neues Puzzel, für mich.

Wieder bei meinen Eltern (es regnet immer noch) setze ich mich an den PC und lese mir noch mal meine Posts in meinem Blog durch. Irgendwie fehlen mir die Kinder, aber ich bin trotzdem froh, dass ich frei habe und mal richtig ausschlafen kann. Bis halb 8 halte ich es im Bett aus. Wenn ich Spätdienst habe (was ich ziemlich oft habe), stehe ich auch nicht früher auf.
Und was soll ich eigentlich Weihnachten mit den Kindern aufführen? Jetzt hab ich mal Zeit zum Nachdenken. Ach nein, ich wollte ja nicht an die Kita denken.

Die Woche in Schleswig-Holstein war trotz "Herbst" toll und zu schnell vorbei. Es geht wieder zurück nach Berlin.
Noch eine Woche frei. Ich schaffe Harry Potter, Shoppen im B5-Outlet-Center, der Hamster zieht bei mir ein, immerhin ein Treffen mit einer Freundin und 2x Familie bekomme ich hin und JEDE JEDE JEDE Nacht träume ich von meiner Kitagruppe.

Heute ist mein letzter Urlaubstag. Ich versuche es dann noch mal im Oktober mit dem Abschalten...

Freitag, 22. Juli 2011

Spielplatz, Eltern, Kinder

Auf dem Spielplatz kann man sofort erkennen, welches Alter das Kind der anwesenden Eltern hat.

Da gibt es die Mamas und Papas, die im Rudel zusammen sitzen und quatschen, die geschnittenes Obst, Getränke und Kekse mit haben und das meiste allein essen, weil die Kinder nicht zu sehen sind. Diese Eltern haben Kinder in der Altersguppe von 5-6 Jahre. Die Kinder kennen sich schon seit der ersten Kitazeit, die Eltern ebenso, jeder geht auf dem Spielplatz seinen eigenen Weg. Die Kinder sind froh, dass sie heimlich Glasflaschen verbuddeln können, ohne dass einer hinschaut und die Eltern sind froh, sich intensiv über Schwangerschaftsstreifen, Kindertanzen und Bioessen austauschen zu können, ohne dass einer dazwischen quakt.

Dann gibt es die Mamas und Papas, die ständig aufspringen, weil ihr Kind dem anderen die Schippe weg nimmt, der eine den anderen mit Sand beschmeißt, das Kind ständig heulend ankommt oder der Steppke einfach nicht mehr in Sichtweite ist. Diese Eltern sind permanent auf dem Sprung und können kaum einen vernünftigen Satz mit jemandem wechseln, weil sie eigentlich schon wieder weg sind, obwohl sie nach der Arbeit gerne mal ruhig gesessen hätten. Diese Eltern haben Kinder im Alter von 3 - 4Jahren.

Auch sehr schön anzusehen sind die Eltern von den 1 1/2 - 3jährigen Kindern. Die sitzen gar nicht, sondern laufen immer mit den Händen in Kniehöhe ihren Sprösslingen hinterher. Dabei bestimmt das Kind das Wann und Wohin. So kommt es schon mal vor, dass Mama, Papa, Oma, Opa 10x hintereinander rutschen und abends Kreuzschmerzen haben. Neue Eltern haben sie nicht kennengelernt. Waren überhaupt andere Eltern und Kinder da?

Die Eltern der ganz kleinen Wir-lernen-gerade-laufen-Kinder erkennt man deutlich an der Spucke-Kekskrümel-Kante kurz unterm elterlichen Knie, denn genau bis dahin reichen die Kiddies, wenn sie sich wackelig an Mama und Papa hochziehen. Diese Eltern können noch in Ruhe sitzen, denn die Kinder kommen eh nicht weit allein und sind damit zufrieden, den Keks mit dem Sand zu vermischen...

Sonntag, 3. Juli 2011

Kindertag 2011

Durch meinen Umzug kam ich lange nicht zum Schreiben, aber trotzdem zum Arbeiten...

Am 1. Juni war Kindertag und da gibt es bei uns immer eine Party für die Kurzen.
Aber immer das Gleiche ist ja auch langweilig. Mein rechter Platz ist leer, Stuhltanz, Pinke Panke, Feuer Wasser Sturm...
Kinderschminken ist auch immer sehr beliebt, allerdings vergeht viel Spielzeit, bis ich allen Kindern einen Schmetterling, Tiger oder Feuerwehrmann ins Gesicht gepinselt habe.
Da kam mir eine tolle Idee: Malt euch doch mal selber an!
Ich stellte unseren großen Spiegel quer auf´s Sideboard, davor Wassernäpfchen und die Schminkstifte (sehen aus wie Buntstifte und malen, wenn man sie ins Wasser tunkt).
Erst gab es ungläubiges Naserümpfen von der Kleinen. Wirklich? Selber? Wie wir wollen?
Klar.
Der Erste traute sich, malte einen grünen Strich unter das rechte Auge und lachte sich darüber halb tot. Danach hatte ich "die Schlacht am kalten Buffet", alle wollten und zwar SOFORT!
Es waren genug Stifte da und immer nach ein paar Strichen, folgte eine kreative Pause. Wahrscheinlich wollten die Kinder testen, ob ich es immer noch erlaube, wirklich nicht schimpfe, sogar weiter motiviere, um dann mit immer wilderen Malereien meine Aufmerksamkeit erregen.
(Da fragt ich mich, ob ich zu streng bin, dass es so lange dauert, bis sie sich was trauen. Dabei empfinde ich es gerade als lehrreich, seine Phantasie und Kreativität zu versprühen. Vielleicht lag die Zurückhaltung auch daran, dass ich wahrlich nicht ganz so begeistert war, als sie vor einer Weile das Gleiche mit Filzstiften machten. Ja, das wird es sein.)

Nach einer Stunde waren die Gesichter meiner Kinder voll. Einer hatte versucht, sein Gesicht dem Spiderman-Kostüm anzupassen, was ihm toll gelang. Viele hatten einfach bunt gemalt. Zwei Jungs fanden "pink" auf den Lippen sehr lustig und ein kleines dreijähriges Mädchen hätten sie sofort in der Geisterbahn angestellt. Wenn ich die Erlaubnis der Eltern bekomme, stelle ich das Bild noch ein, herrlich.
Das macht so einen Spaß, aber kein Platz mehr. Abwaschen und neu malen? Nee. Was nun? Ein nachdenklicher Blick zu meiner Praktikantin und mir - WIR hatten noch ganz viel Potential im Gesicht...
Schick, oder?

Samstag, 11. Juni 2011

(T)olle Erzieherinnen

Ihr Eltern schaut euch die neue Kita an, alles schön, die Erzieherin super nett - es scheint perfekt.
Manchmal trügt der Schein.
Ich habe und hatte viele tolle Kolleginnen. Aber es waren auch ein paar schwarze Schafe darunter. Und das steht nicht auf ihrer Stirn.

Da gab es einmal in meiner ersten Kita eine Erzieherin, die sich morgens schöne Stocklocken gedreht hat und in weißer Bluse und Bundfaltenhose zur Arbeit erschien. Der pinkfarbene Mund lächelte den ganzen Tag. Wenn Eltern in der Nähe waren.
Wenn ich in meiner Gruppe arbeite, bekomme ich von den anderen Gruppen nicht viel mit. Und so war es reiner Zufall, dass ich eines Tages aus irgendeinem Grund am Ende der Teezeit draußen an dem geöffneten Fenster der Stocklockenprinzessin vorbei lief und sah, wie sie einem heulenden Kind versuchte, das Vesterbrot in den Mund zu stopfen. "Du isst das jetzt auf!" waren ihre barschen Worte und sie drücke noch mal nach.
Ich war absolut entsetzt und fragte durch´s Fenster, was das werden soll. Ertappt zu werden war ihr äußerst unangenehm, sie ließ das arme Kind aufstehen. Ich stand noch eine Weile vor der Tür und kämpfte mit den Tränen.
Ich forschte noch ein wenig genauer bei Kollegen nach und erfuhr, dass die Kinder beim Essen nicht reden durften. Keinen Pieps! Es musste immer aufgegessen und ausgetrunken werden. Wenn nicht freiwillig, dann unter Zwang. Mittelalterlich. Diese Kollegin bekam noch in der gleichen Woche ihre Abmahnung. Zum Glück arbeitete sie dann auch nicht mehr lange dort. Ich allerdings auch nicht.
Ich hatte mich eh schon immer gefragt wie sie es schafft, dass ihre Bluse nach einem Arbeitstag noch sauber ist. Wahrscheinlich hat sie nie ein Kind in den Arm genommen.

Es gab da mal eine Erzieherin, die die Kinder regelmäßig anbrüllte und irgendwann rutschte ihr dann auch mal die Hand aus. Und wieder war der Zufall vor Ort. Es war das Kind der Leiterin und es blieb nicht ungesehen. Das war ihr letzter Arbeitstag.

Aus einer anderen Kita hörte ich von einer Freundin, dass ein Kind zur Strafe allein in einen stockdunklen Raum gesteckt und dort versehentlich auch noch vergessen wurde. Trauma. Total apathisiert fand die Mutter ihr Kind vor.

Eine Tagesmutter hat mal Kinder, die morgens schlafend abgegeben wurden, geweckt, indem sie sie unter die kalte Dusche stellte. Das ebenfalls traumatisierte Kind bekam ich danach in die Gruppe. Auch heute halte ich es noch für traumatisiert, obwohl es bereits 12 Jahre alt ist. So können kleine Momente das Leben versauen.

Es gibt aber auch andere Fälle, die zu falschen Schlüssen führen. Wir hatten mal ein Baby, 3 Monate alt. Ein echtes Schreikind und sie beruhigte sich erst, wenn man es schaukelte. Schaukeln ist vielleicht untertrieben, eher leicht schüttelte. Das fand sie toll, beruhigte sich schnell und den Tipp bekamen wir sogar von der Mutter. Während also das Baby wildschaukelnd im Garten auf dem Arm getragen wurde, hat ein Anwohner Nachbarn zusammengetrommelt und unserer Leitung berichtet, dass die Kinder bei uns brutal misshandelt werden. Diese Kollegin hätte fast ihren Job verloren, dabei war es wirklich harmlos. Und das Schüttel war auch nicht so doll, dass es Schäden hinterlassen hätte. Das Mädchen ist heute 10 Jahre alt, super intelligent und kommt uns immer wieder gerne besuchen.

Ich will sagen, ob eine Erzieherin gut ist, lieb zu den Kindern, was leistet, die Kinder fördert und fordert ohne ihnen Zwänge oder Gewalt anzutun, kann man auf den ersten Blick nicht erkennen. Denn alle schwarzen Schafe haben es durch die Bank weg drauf, den Eltern hochkannt in den Hintern zu kriechen.
Ist euer Kind glücklich in der Kita? Wirkt es deprimiert oder wird es immer ruhiger? Macht es keine Fortschritte? Oder kann es den Kitabesuch morgens kaum abwarten? Erzählt es euch von der Kita, erzählt es liebevoll von der Erzieherin oder wird sie nie erwähnt? Ist der Blick ängstlich beim Namen der Erzieherin? Oder will es die Erzieherin undbedingt zum Geburtstag einladen? Geht es morgens leicht in die Gruppe oder wenigstens zur Erzieherin?
Das alles sind Hinweise, womit euer Kind euch mitteilt, wie es in der Kita läuft.
Ich will euch keine Angst machen! Aber hört auf das, was eure Kinder euch sagen wollen oder eben nicht aussprechen können...Und reagiert darauf!!!