Angeblich guckt es ja keiner und doch ist es jedes Jahr ein riesen Thema: Das Dschungelcamp und ihre ungewöhnlichen Prüfungen. Besonders die kulinarischen Prüfungen lassen uns heftig mitekeln.
Aber im Kindergarten ist es ja ähnlich. Für die Kinder ist es schon manchmal eine echte Zumutung, was wir ihnen zumuten. Da gibt es diese ekeligen kleinen froschgrünen Dinger, Erbsen. Es genügt schon den Deckel vom Topf zu lüften, damit sich das eine oder andere Kind heldenhaft über seinen Teller schmeißt, um ja keins von diesen Widerlichkeiten bei sich aufnehmen zu müssen. Auch ganz schlimm: Gemüsesuppe. Selbst ohne Fischaugen und Känguruhhoden ist es unerträglich. Wahrscheinlich würden sie eher einen Teller bunte Knete essen. Oder Soße, was sich darin für unbekannte Gefahren verbergen könnten, kann ein Kind ja gar nicht abschätzen. Die vier Portionen trockene Kartoffeln rutschen auch so, bloß kein Risiko eingehen.
Nein, es gibt Kinder, die halten sich grundsätzlich ans Ungefährliche: Nudeln, Reis ,Kartoffeln. Ende. Da kann nichts schief gehen. Da gibt es keine grünen Kugeln, gelbe Fingernägel, orangene Räder und Mini-Bäume. Ganz übersichtlich. Kartoffelbrei ist da allerdings schon wieder nicht ganz geheuer.
Natürlich sind das nur ein paar wenige Kinder. Die meisten sind unerschrockene Allesesser. So kam es vor, dass tatsächlich einige Kinder Blaubeerjoghurt haben wollten. Freiwillig, möchte ich betonen. Ein Mädchen sah seinem Nachbarn mit weit aufgerissenen Augen dabei zu. Und dann war da eine Blaubeere auf dem Löffel und verschwand im Mund des Jungen. Das Mädchen kreischte entsetzt auf und schrie "Jetzt hast du den Käfer mitgegessen."
Was glauben die Kinder eigentlich, was sie da zu essen bekommen???
Ich hatte mal eine Fahrradtour mit den Kindern und ihren Eltern. Ein Junge von knapp zwei Jahren saß hinter seinem Papa im Kindersitz. Bei einer kurzen Rast sah ich, dass eine Spinne (ein Weberknecht) an deren Radrahmen hoch krabbelte und wies darauf hin. Der Papa nahm das zappelnde Vieh und hielt es seinem Sohn vor das Gesicht, dabei sagte er: "Magst du das essen?" Der Junge machte sofort den Mund auf. (Der Papa hat die Spinne nicht verfüttert.) Aber so unterschiedlich sind Kinder. Er hätte sie tatsächlich gegessen.
Sie unterscheiden sich nicht nur in dem WAS sie essen, auch WIE sie essen. Ein Zweijähriger isst so ordentlich mit dem Löffel, dass er nie ein Lätzchen braucht. Ein vierjähriges Mädchen isst mit Händen, Löffel, Gabel und allem was zur Verfügung steht. Hinterher klebt die Tomatensauce auf dem Kopf, im Ohr und an den Wimpern, naja, das Auge isst ja bekanntlich mit. Wir sollten uns unsere Interpretation mal durch den Kopf gehen lassen, haben wir da etwas falsch verstanden?
Bei uns im Kindergarten haben die Kinder schon mal Ausgefallenes auf ihren Broten. Lachs. Kaviar. Leberpastete. Der Unterschied zwischen Leberwurst und Leberpastete ist: "Iiih, da ist Glibber in meiner Leberwurst." Aber er hat den Glibber nur vom Brot gepuhlt und die Stulle trotzdem gegessen. Andere hätten das Brot schon wieder an die Wand geschmissen.
Vernünftige Ernährung ist für uns schon schwierig, für Kinder fast unmöglich.
Beliebte Posts
-
Heikles Thema. Ich habe ein halbes Jahr nicht mehr an diesem Blog geschrieben. Vor einem halben Jahr starb mein Vater. Aber ihm haben mein...
-
Dass die Kinder heut zutage schon besser mit dem Smartphone umgehen können als Mama und sie zuhause die Fernsehprogramme problemlos auf ande...
-
Vor knapp einem Jahr wurden wir evaluiert. Evaluation, das bedeutet eine Prüfung der Kita und der Arbeit der Erzieher, besonders in Bezug au...
-
Die Kinder einfach mal spielen lassen? Nicht anleiten? Wozu sind denn die Erzieher da? Was erwartet ihr Eltern von uns Erziehern? Natürlic...
-
Yes Baby, die Kita hat zwei Wochen zu und wir Erzieherinnen können ganz entspannt Urlaub machen und mal richtig abschalten. Was all die Ande...
-
Ein Kind war mal sauer und sagte: "Ich bin sauer und sage jetzt gar nichts mehr!" Da kam mir die Idee, einen ganzen Tag lang gar ...
-
Da hab ich doch nach 20 Jahren Kindergarten eine ganz neue Erfahrung gemacht. Eine wunderschöne Erfahrung... Winterzeit, Erkältungszeit, E...
-
Kommen wir doch mal zum Spielverhalten der Kinder in der Kita. Das ist natürlich ganz anders, als das, was sie zuhause spielen. Wir haben ...
-
Ich habe lange nicht mehr geschrieben, was einfach an mangelnder Zeit lag. Aber jetzt ist etwas ungeheuerliches passiert und ich muss alle ...
-
Oh ja, Kalender-Girls hab ich einige in der Gruppe und auch Boys. Natürlich nicht wie ihr denkt. Können 3jährige schon etwas mit einem Kal...
Donnerstag, 23. Januar 2014
Sonntag, 20. Oktober 2013
Unfallstatistik im Kindergarten
Als Unfall im Kindergarten zählt jeder Kratzer und jede Beule. Wir haben ein Unfallbuch, in das wir jeden Unfall eintragen müssen. Aus meiner Erfahrung passieren die meisten Unfälle an einem Dienstag.
Bevor ihr Eltern aber jetzt alle einen Schrecken bekommt, ich hatte in den letzten 24 Jahren nur 9 ernsthafte Unfälle, die ich als schlimm bis sehr schlimm einstufen würde.
Nach 24 Jahren und inzwischen ca 170 Kindern mal durchschnittlich 240 Kita-Tage im Jahr sind 9 nennenswerte Unfälle zum Glück wenig.
Trotzdem schlimm für die 9, die es ausgerechnet erwischt hat.
Jetzt wollt ihr wissen, was so passiert ist?
Na gut. Ich fange bei den weniger schlimmen an.
1. Ich weiß gar nicht mehr, wie es zu diesem Unfall kam. Ich hatte einen Jungen in der Gruppe, der vermutlich eine Gehirnerschütterung hatte (äußert sich nach einem schweren Kopfschlag durch Kopfschmerzen und Erbrechen). Da beides vorhanden war, rief ich die Mutter an. Sie kam eine halbe Stunde später. Mit dem FAHRRAD! Und brachte ihr Kind auch mit dem Rad in die Klinik. Unglaublich.
2. Auf dem Spielplatz ist eine schräge Wand, an der die Kinder mit Seilen hochklettern können. Ich wollte einem meiner Kinder das Seil zuwerfen. Der Vierjährige fing es mit der Nase, die sofort blutete und kaum wieder aufhören wollte. Zum Glück war die Nase nicht gebrochen.
3. Dies ist der jüngste Unfall. In der Garderobe unserer Kita ziehen sich die Kinder so weit es geht alleine an. Die Kinder die fertig sind sollten eigentlich ruhig auf der Bank sitzen und warten, aber das erfordert so viel Talent, wie mit 10 Bällen zu jonglieren und das können Dreijährige noch nicht. Es ging ganz schnell. Es wurde voll Übermut geschubst, die Bank raste auf´s Gesicht zu und da platzte auch schon die zarte Haut über der Augenbraue auf. Ich machte einen Druckverband und rief die Eltern an. Die Narbe wird er wohl immer behalten, obwohl es nicht mal genäht werden musste.
4. Dies ist ein Unfall, den ich mir bis heute nicht erklären kann, aber der kleine Junge konnte damals noch nicht reden und heute erinnert er sich nicht mehr daran. Ich hatte einen sehr großen Karton in meinem Gruppenraum, die Kinder haben ihn als Haus benutzt.
Plötzlich schrie einer laut und kroch aus dem Haus, er blutete zwischen den Augen, aber der Schmerz zwischen seinen Beinen schien größer zu sein. In dem Moment kam die Mutter. Wir sahen nach, was ihm da so weh tat. Der kleine Schniedel war dunkelblau angelaufen und geschwollen. Wie kann sowas in einem Pappkarton passieren??? Auch bei ihm wird die Narbe zwischen seinen Augen wahrscheinlich als Erwachsener noch leicht zu sehen sein. Ein Rätsel.
5. Wunden am Kopf bluten besonders gerne und viel, auch wenn die Wunde mitunter gar nicht so groß ist. Vor etlichen Jahren hatte ich noch ein Klavier in meinem Gruppenraum stehen. Es gehörte dem Vormieter und wurde einfach nicht abgeholt. Da ich nicht ständig meine Augen überall haben kann, bemerkte ich es nicht gleich. Da stand ein Mädchen vor mir, sagte keinen Ton und sah aus, als hätte ihr jemand einen Eimer Blut über den Kopf gekippt. Es lief nur so und ich konnte nicht mal erkennen woher.
In solchen Situationen bin ich die Ruhe in Person. Ich setzte das Kind auf einen Stuhl, holte in Windeseile ein Handtuch und rief nach einer Kollegin, die mir den 1.-Hilfe-Koffer bringen sollte. Es stellte sich heraus, dass das Mädchen gestolpert und mit der Stirn gegen das Klavier gestürzt war. Das Loch in der Stirn war klein und wurde später nicht mal genäht. Aber die Blutmassen ließen eine 20cm-Wunde erahnen. Das ging auch noch mal gut.
5. Ich habe in der Gruppe ein kleines Regal, für mich hüfthoch, mit einem Einlegeboden, das Platz für 6 Kisten Duplo bietet, 3 Kästen unten, 3 Kästen oben. Ein Junge saß vor dem Regal und zog an einem der oberen Kästen, schief hing die Kiste über seinem Kopf. Ich sprang auf, um das Unvermeidliche zu verhindern, aber die Physik siegte und die Kiste kippte, bevor ich bei ihm war. Ihr ahnt es schon. Sie fiel ihm auf den Kopf und hinterließ ein Loch in der Stirn. Hätte er gestanden beim Rausziehen, hätte er es ja halten können, aber so war die Kiste zu schwer.
6. Nun kommen wir zu einem Unfall, der zwar in meiner Nähe und während meiner Arbeitszeit passierte, aber kein Kind aus unserer Kita betraf. Auf dem öffentlichen Spielplatz gegenüber unserer Kita befindet sich ein geteerter Sportplatz zum Fußballspielen. Ein paar Jungs bolzten dort. Einer der Jungs rannte auf das Tor zu, behielt aber den Ball und nicht das Tor im Auge. Na klar, er rannte mit solcher Wucht gegen das Tor, dass er regelrecht abprallte, rückwärts um fiel und mit dem Hinterkopf auf den Boden prallte. Ich war die nächste Erwachsene Person in seiner Nähe und hatte zufällig eine Packung Zupftaschentüchen in der Hand. Beide Hände voller Taschentücher drückte ich seine beiden Platzwunden an der Stirn UND am Hinterkopf zu, während ich dem nächsten Erwachsenen zurief, er möge bitte einen Krankenwagen rufen.
7. Auch dieser Unfall ist noch nicht lange her. Wir haben Sport im Gruppenraum gemacht. Auf einen Stuhl steigen und wieder herunter steigen. Ich stand daneben und gab Hilfestellung. Eine ganze Reihe lang. Anschließend bauten wir die Reihe wieder ab. Aber einem Mädchen war die Übung wohl nicht lang genug. Hinter meinem Rücken baute sie noch einmal zwei Stühle auf, um hinauf zu klettern und (macht ja mehr Spaß) herunter zu SPRINGEN. Nur leider standen die Stühle zu dicht. Das Mädchen sprang und ihre Stirn landete auf der Kante des Stuhls vor ihr. Platzwunde. Nicht lang, aber tief, bis auf den Knochen. 4 Monate musste sie das Spezialpflaster tragen.
8. Ihr merkt, die Unfälle werden schlimmer.
Dieser Unfall ist schon etliche Jahre her, das Kind längst erwachsen.
Es war noch in meiner ersten Kita, ich war mit 7 Kindern meiner Gruppe zur Gruppenreise in Helmstedt. Da ich nicht alleine fahren darf, begleitete mich unsere Köchin und nahm noch ihren Sohn mit, damals 5 Jahre alt. Direkt vor der sehr hübschen Altstadt war ein Spielplatz. Die Köchin fragte mich, ob sie mal schnell in dieses eine Geschäft gehen könne, während wir auf dem Spielplatz sind. Klar, ich passte ja auf. Ihr Sohn schaukelte und meinte plötzlich, er müsste in vollem Schwung abspringen. Er landete, es knackte, er schrie und konnte den Arm nicht mehr bewegen. Jetzt schnell das Handy gezückt und die Köchin angerufen. Fehlanzeige, damals hatten wir noch keine Handys. Ich bat eine andere Mutter vom Spielplatz einen Krankenwagen zu rufen. Sie lief sofort zur nächsten Telefonzelle. Als der Krankenwagen kam, war die Köchin noch immer nicht da und ich musste ihn wohl oder übel allein mitfahren lassen, da ich ja noch 7 weitere Kinder hatte. Das Krankenhaus lag nur 3 Blocks entfernt und als seine Mutter endlich auftauchte, liefen wir alle schnell zur Klinik, wo der junge Mann schon mit seinem Gips auf uns wartete. Arm gebrochen.
9. Das Schlimmste was je passiert ist, war schon ein großer Schreck. Damals sah der öffentliche Spielplatz gegenüber unserer Kita noch anders aus. Es gab eine ca. 2 Meter hohe Holzwand dicht an einer Hauswand, auf der Jugendliche ihre Graffitis versprühen konnten. Ein kleines Mädchen kletterte zwischen den Wänden hoch. Ein ziemlich sportliches Geschick, nur leider sah ich sie hinter der Holzwand nicht. Als sie oben war rief sie mich. Ich befand mich gerade auf der anderen Seite des Spielplatzes und rannte sofort los. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte aus 2 Metern Höhe mit dem Kopf zuerst auf den Steinboden. Damals war ich nicht so ruhig, ich brach sofort in Tränen aus, als das Mädchen dort reglos liegen blieb. Blut lief aus ihrem Ohr. Ich rief den Notarzt und nahm das Mädchen auf meinen Arm. Es hatte die Augen auf, reagierte aber auf nichts. Ich rief natürlich auch sofort die Eltern an. Der Vater war auf Geschäftsreise im Ausland, die Mutter sprach kein Wort Deutsch. Nach meiner Arbeitszeit fuhr ich sofort ins Krankenhaus, wo ich bis 22 Uhr versuchte zu dolmetschen.
Das Mädchen hatte Haarrisse im Schädel, aber es ging ihr schnell wieder gut und es blieben keine Folgeschäden. Ein paar Wochen Ruhe und sie war wieder ganz die Alte.
Einen schweren Unfall habe ich aber verhindern können. Wahrscheinlich wär gar kein Blut geflossen, aber ich hätte es doch als schlimm eingestuft. Wir haben Teller und Tassen aus Keramik. Die Krippe hat Plastik-Geschirr. Einem kleinen Jungen meiner Gruppe rutschte beim Trinken die Tasse aus der Hand, knallte auf den Teller und Teller und Tasse zersprangen in 1000 teile. "Sprangen" ist das richtige Wort, denn etliche winzig kleine Splitter landeten auf dem Pulli des Jungen. Was ist unsere erste Reaktion, wenn etwas auf uns landet, das wir nicht wollen? Richtig, wir fegen es mit der Hand von uns. In letzter Sekunde habe ich seine Hand festgehalten, denn er hätte sich sicher viele dieser winzig kleinen Scherben in die Hand geschoben. Wusstet ihr, dass wir Erzieher nicht mal einen Splitter aus dem Finger eines Kindes entfernen dürfen. Dies ist ein Eingriff zu dem wir nicht befugt sind, wofür wir extra die Eltern anrufen MÜSSEN. Es gibt schon "tolle" Vorschriften.
Unfälle passieren leider, Erzieher können nicht ständig überall sein, auch wenn wir uns schon Augen im Hinterkopf zugelegt haben. Alle 2 Jahre haben wir einen 1.-Hilfe-Kurs und geben wenigstens im Falle eines Unfalls sofort bestmögliche Maßnahmen. Ich hoffe, dass ich dieser Liste hier nichts mehr hinzufügen muss...
Bevor ihr Eltern aber jetzt alle einen Schrecken bekommt, ich hatte in den letzten 24 Jahren nur 9 ernsthafte Unfälle, die ich als schlimm bis sehr schlimm einstufen würde.
Nach 24 Jahren und inzwischen ca 170 Kindern mal durchschnittlich 240 Kita-Tage im Jahr sind 9 nennenswerte Unfälle zum Glück wenig.
Trotzdem schlimm für die 9, die es ausgerechnet erwischt hat.
Jetzt wollt ihr wissen, was so passiert ist?
Na gut. Ich fange bei den weniger schlimmen an.
1. Ich weiß gar nicht mehr, wie es zu diesem Unfall kam. Ich hatte einen Jungen in der Gruppe, der vermutlich eine Gehirnerschütterung hatte (äußert sich nach einem schweren Kopfschlag durch Kopfschmerzen und Erbrechen). Da beides vorhanden war, rief ich die Mutter an. Sie kam eine halbe Stunde später. Mit dem FAHRRAD! Und brachte ihr Kind auch mit dem Rad in die Klinik. Unglaublich.
2. Auf dem Spielplatz ist eine schräge Wand, an der die Kinder mit Seilen hochklettern können. Ich wollte einem meiner Kinder das Seil zuwerfen. Der Vierjährige fing es mit der Nase, die sofort blutete und kaum wieder aufhören wollte. Zum Glück war die Nase nicht gebrochen.
3. Dies ist der jüngste Unfall. In der Garderobe unserer Kita ziehen sich die Kinder so weit es geht alleine an. Die Kinder die fertig sind sollten eigentlich ruhig auf der Bank sitzen und warten, aber das erfordert so viel Talent, wie mit 10 Bällen zu jonglieren und das können Dreijährige noch nicht. Es ging ganz schnell. Es wurde voll Übermut geschubst, die Bank raste auf´s Gesicht zu und da platzte auch schon die zarte Haut über der Augenbraue auf. Ich machte einen Druckverband und rief die Eltern an. Die Narbe wird er wohl immer behalten, obwohl es nicht mal genäht werden musste.
4. Dies ist ein Unfall, den ich mir bis heute nicht erklären kann, aber der kleine Junge konnte damals noch nicht reden und heute erinnert er sich nicht mehr daran. Ich hatte einen sehr großen Karton in meinem Gruppenraum, die Kinder haben ihn als Haus benutzt.
Plötzlich schrie einer laut und kroch aus dem Haus, er blutete zwischen den Augen, aber der Schmerz zwischen seinen Beinen schien größer zu sein. In dem Moment kam die Mutter. Wir sahen nach, was ihm da so weh tat. Der kleine Schniedel war dunkelblau angelaufen und geschwollen. Wie kann sowas in einem Pappkarton passieren??? Auch bei ihm wird die Narbe zwischen seinen Augen wahrscheinlich als Erwachsener noch leicht zu sehen sein. Ein Rätsel.
5. Wunden am Kopf bluten besonders gerne und viel, auch wenn die Wunde mitunter gar nicht so groß ist. Vor etlichen Jahren hatte ich noch ein Klavier in meinem Gruppenraum stehen. Es gehörte dem Vormieter und wurde einfach nicht abgeholt. Da ich nicht ständig meine Augen überall haben kann, bemerkte ich es nicht gleich. Da stand ein Mädchen vor mir, sagte keinen Ton und sah aus, als hätte ihr jemand einen Eimer Blut über den Kopf gekippt. Es lief nur so und ich konnte nicht mal erkennen woher.
In solchen Situationen bin ich die Ruhe in Person. Ich setzte das Kind auf einen Stuhl, holte in Windeseile ein Handtuch und rief nach einer Kollegin, die mir den 1.-Hilfe-Koffer bringen sollte. Es stellte sich heraus, dass das Mädchen gestolpert und mit der Stirn gegen das Klavier gestürzt war. Das Loch in der Stirn war klein und wurde später nicht mal genäht. Aber die Blutmassen ließen eine 20cm-Wunde erahnen. Das ging auch noch mal gut.
5. Ich habe in der Gruppe ein kleines Regal, für mich hüfthoch, mit einem Einlegeboden, das Platz für 6 Kisten Duplo bietet, 3 Kästen unten, 3 Kästen oben. Ein Junge saß vor dem Regal und zog an einem der oberen Kästen, schief hing die Kiste über seinem Kopf. Ich sprang auf, um das Unvermeidliche zu verhindern, aber die Physik siegte und die Kiste kippte, bevor ich bei ihm war. Ihr ahnt es schon. Sie fiel ihm auf den Kopf und hinterließ ein Loch in der Stirn. Hätte er gestanden beim Rausziehen, hätte er es ja halten können, aber so war die Kiste zu schwer.
6. Nun kommen wir zu einem Unfall, der zwar in meiner Nähe und während meiner Arbeitszeit passierte, aber kein Kind aus unserer Kita betraf. Auf dem öffentlichen Spielplatz gegenüber unserer Kita befindet sich ein geteerter Sportplatz zum Fußballspielen. Ein paar Jungs bolzten dort. Einer der Jungs rannte auf das Tor zu, behielt aber den Ball und nicht das Tor im Auge. Na klar, er rannte mit solcher Wucht gegen das Tor, dass er regelrecht abprallte, rückwärts um fiel und mit dem Hinterkopf auf den Boden prallte. Ich war die nächste Erwachsene Person in seiner Nähe und hatte zufällig eine Packung Zupftaschentüchen in der Hand. Beide Hände voller Taschentücher drückte ich seine beiden Platzwunden an der Stirn UND am Hinterkopf zu, während ich dem nächsten Erwachsenen zurief, er möge bitte einen Krankenwagen rufen.
7. Auch dieser Unfall ist noch nicht lange her. Wir haben Sport im Gruppenraum gemacht. Auf einen Stuhl steigen und wieder herunter steigen. Ich stand daneben und gab Hilfestellung. Eine ganze Reihe lang. Anschließend bauten wir die Reihe wieder ab. Aber einem Mädchen war die Übung wohl nicht lang genug. Hinter meinem Rücken baute sie noch einmal zwei Stühle auf, um hinauf zu klettern und (macht ja mehr Spaß) herunter zu SPRINGEN. Nur leider standen die Stühle zu dicht. Das Mädchen sprang und ihre Stirn landete auf der Kante des Stuhls vor ihr. Platzwunde. Nicht lang, aber tief, bis auf den Knochen. 4 Monate musste sie das Spezialpflaster tragen.
8. Ihr merkt, die Unfälle werden schlimmer.
Dieser Unfall ist schon etliche Jahre her, das Kind längst erwachsen.
Es war noch in meiner ersten Kita, ich war mit 7 Kindern meiner Gruppe zur Gruppenreise in Helmstedt. Da ich nicht alleine fahren darf, begleitete mich unsere Köchin und nahm noch ihren Sohn mit, damals 5 Jahre alt. Direkt vor der sehr hübschen Altstadt war ein Spielplatz. Die Köchin fragte mich, ob sie mal schnell in dieses eine Geschäft gehen könne, während wir auf dem Spielplatz sind. Klar, ich passte ja auf. Ihr Sohn schaukelte und meinte plötzlich, er müsste in vollem Schwung abspringen. Er landete, es knackte, er schrie und konnte den Arm nicht mehr bewegen. Jetzt schnell das Handy gezückt und die Köchin angerufen. Fehlanzeige, damals hatten wir noch keine Handys. Ich bat eine andere Mutter vom Spielplatz einen Krankenwagen zu rufen. Sie lief sofort zur nächsten Telefonzelle. Als der Krankenwagen kam, war die Köchin noch immer nicht da und ich musste ihn wohl oder übel allein mitfahren lassen, da ich ja noch 7 weitere Kinder hatte. Das Krankenhaus lag nur 3 Blocks entfernt und als seine Mutter endlich auftauchte, liefen wir alle schnell zur Klinik, wo der junge Mann schon mit seinem Gips auf uns wartete. Arm gebrochen.
9. Das Schlimmste was je passiert ist, war schon ein großer Schreck. Damals sah der öffentliche Spielplatz gegenüber unserer Kita noch anders aus. Es gab eine ca. 2 Meter hohe Holzwand dicht an einer Hauswand, auf der Jugendliche ihre Graffitis versprühen konnten. Ein kleines Mädchen kletterte zwischen den Wänden hoch. Ein ziemlich sportliches Geschick, nur leider sah ich sie hinter der Holzwand nicht. Als sie oben war rief sie mich. Ich befand mich gerade auf der anderen Seite des Spielplatzes und rannte sofort los. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte aus 2 Metern Höhe mit dem Kopf zuerst auf den Steinboden. Damals war ich nicht so ruhig, ich brach sofort in Tränen aus, als das Mädchen dort reglos liegen blieb. Blut lief aus ihrem Ohr. Ich rief den Notarzt und nahm das Mädchen auf meinen Arm. Es hatte die Augen auf, reagierte aber auf nichts. Ich rief natürlich auch sofort die Eltern an. Der Vater war auf Geschäftsreise im Ausland, die Mutter sprach kein Wort Deutsch. Nach meiner Arbeitszeit fuhr ich sofort ins Krankenhaus, wo ich bis 22 Uhr versuchte zu dolmetschen.
Das Mädchen hatte Haarrisse im Schädel, aber es ging ihr schnell wieder gut und es blieben keine Folgeschäden. Ein paar Wochen Ruhe und sie war wieder ganz die Alte.
Einen schweren Unfall habe ich aber verhindern können. Wahrscheinlich wär gar kein Blut geflossen, aber ich hätte es doch als schlimm eingestuft. Wir haben Teller und Tassen aus Keramik. Die Krippe hat Plastik-Geschirr. Einem kleinen Jungen meiner Gruppe rutschte beim Trinken die Tasse aus der Hand, knallte auf den Teller und Teller und Tasse zersprangen in 1000 teile. "Sprangen" ist das richtige Wort, denn etliche winzig kleine Splitter landeten auf dem Pulli des Jungen. Was ist unsere erste Reaktion, wenn etwas auf uns landet, das wir nicht wollen? Richtig, wir fegen es mit der Hand von uns. In letzter Sekunde habe ich seine Hand festgehalten, denn er hätte sich sicher viele dieser winzig kleinen Scherben in die Hand geschoben. Wusstet ihr, dass wir Erzieher nicht mal einen Splitter aus dem Finger eines Kindes entfernen dürfen. Dies ist ein Eingriff zu dem wir nicht befugt sind, wofür wir extra die Eltern anrufen MÜSSEN. Es gibt schon "tolle" Vorschriften.
Unfälle passieren leider, Erzieher können nicht ständig überall sein, auch wenn wir uns schon Augen im Hinterkopf zugelegt haben. Alle 2 Jahre haben wir einen 1.-Hilfe-Kurs und geben wenigstens im Falle eines Unfalls sofort bestmögliche Maßnahmen. Ich hoffe, dass ich dieser Liste hier nichts mehr hinzufügen muss...
Mittwoch, 9. Oktober 2013
Generation Technik
Dass die Kinder heut zutage schon besser mit dem Smartphone umgehen können als Mama und sie zuhause die Fernsehprogramme problemlos auf andere Sendeplätze verlegen können, wissen wir längst.
Auch in der Kita macht sich die "Generation Technik" bemerkbar.
Wir haben freitags Spielzeugtag. Die Kinder schleppen ihre Autos, Puppen, Stofftiere, auch mal Nagellack mit (was postwendend auf dem Regal landet - liebe Eltern, bitte, unser Job ist anstrengend genug), aber die bisherige Krönung war ein 3jähriges Mädchen, das ihr EIGENES Tablet mitbrachte. In Windeseile hatte sie den Kindern erklärt, wie die Spiele darauf funktionierten und alle spielten begeistert. Mit Schnuller und Windelpo. Bitte schön.
Eigentlich bin ich gar nicht gegen Videospiele, falls man das heute noch so nennt. Games oder wie auch immer fördern Kinder ja auch, wenn sie es in Maßen spielen. Die Kinder entwickeln ziemlich gute Reflexe und werden reaktionsschneller. Viel schneller. Sie sind aufmerksam und konzentriert, was sich auch in anderen Bereichen ihres Alltags zeigt. Die Hand-Auge-Koordination wird geschult und ich habe den Eindruck, dass es den Gehirnzellen keineswegs schadet. Im Gegenteil, wahrscheinlich entstehen Milliarden von neuen Synapsen.
Viele Eltern wehren sich dagegen. Kein Fernsehen, keine DVDs, bloß keine Technik-Games. Warum nicht? Ich war selbst ein Fernsehkind und sicher eins, vor dem alle Psychologen gewarnt hätten. Ich habe von Heidi über Pinocchio, Sesamstraße, Sendung mit der Maus, Sandmännchen, Biene Maja, Tiersendungen ohne Ende, Sindbad bis hin zur Adamsfamily alles gesehen. Und ich halte mich für intelligent mit sehr gutem Allgemeinwissen, besonders im Tierbereich. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe, bin sehr kreativ und war eine gute Schülerin. Hätte ich gelernt, wär ich sicher eine SEHR gute Schülerin gewesen. Aber eine Einschränkung möchte ich unbedingt machen: Lasst eure Kinder nicht alleine das Programm aussuchen, besonders nicht nachts, wenn die Eltern schon schlafen und so schöne Tierfilme laufen wie "Der weiße Hai" oder "Roar - Die Löwen sind los". (Das Trauma von letzterem habe ich bis heute nicht überwunden, ich habe panische Angst vor Raubkatzen.) Also, alles in Maßen, gewaltfrei und unter Aufsicht...
Trotzdem - die Zukunft ist Technik. Vor 13 Jahren bekam ich mein erstes Handy. Ich war schon 30 Jahre alt. Unglaublich. Heute haben die Kinder mit 8 ein Handy, damit sie bescheid sagen können, dass sie heil zur Schule gekommen sind, auf dem Schulhof nicht verprügelt wurden, wieder zuhause gelandet sind und mit dem selbstgemachten Rührei keinen Großbrand ausgelöst haben. Dass sie noch zu Freunden gehen, dass sie die Hausaufgabe in Mathe nicht verstehen und und und. Ohne Handy geht´s doch kaum noch. Was sich bereits bei meinen 3jährigen bemerkbar macht.
Ich bin ein großer Freund von "realem" Spielzeug, ich kann mich erinnern, dass ich es selber viel lieber mochte. Ein echter Kochtopf, statt diese Mini-Plastikpfannen. Echter Pfannenwender, statt Mini-Holzkochlöffel. Aus der Erwachsenenwelt muss es sein. Oder zumindest so aussehen. Ich habe mal vor einer Weile echte Handyprototypen zum Spielen bekommen. Sie sehen absolut echt aus, haben aber keine Funktion. Von ehemals 30 Handys sind noch 3 übrig. (Wo bitte schön, sind die anderen 27 geblieben?????????) Ich habe noch vier ausrangierte Heimtelefone dazu gepackt. Dass sie größer sind, als die Handys stört die Kinder nicht, schließlich sind sie ja echt, also gleichermaßen beliebt.
Und dann ergab sich folgende Szene:
Zwei Jungs und ein Mädchen, alle 3 Jahre alt, spielen unter unserer Holzburg, dass sie zusammen wohnen. Junge 1 kommt "nach hause" und sagt zu Junge 2: "Hast du mein Handy aufgeladen?"
Junge 2 antwortet sich vor die Stirn hauend: "Ach herrje, das hab ich ganz vergessen."
Junge 1 flippt daraufhin total aus und brüllt (ernsthaft): "Ich habe dir extra gesagt, du sollst es aufladen!!! Wie kann man denn SOWAS vergessen??? Womit soll ich jetzt bitte telefonieren???" Und an das Mädchen gewandt: "Kann ich mal dein Handy haben, oder ist das auch alle?"
Da frag ich mich, was passiert, wenn es später mal ein echtes Handy ist?
Die Handys sind bei Jungen und Mädchen gleichermaßen beliebt und es ist doch immer wieder total witzig anzuschauen, wie besonders die Mädchen Mama nachmachen. Mit einer Hand schieben sie den Puppenwagen, über dem anderen Arm hängt eine Tasche und mühsam wird das Handy mit dem Taschenarm ans Ohr geklemmt, während sie wirklich angeregt telefonieren. Meistens mit Mama. Und sie reden über das, was sie gerade machen. "Ich bring gerade das Baby in den Kindergarten." Oder "Was soll ich noch einkaufen?" Und wenn ihr einer im Weg steht, wird er mit dem Puppenwagen einfach überrollt, darauf kann man mit 3 Jahren nicht auch noch achten. Vielleicht wäre sie aber ausgewichen, hätte sie im Videospiel Erfahrung gehabt.
Letztens sagte ein 5jähriger zu meiner Kollegin: "Ich hab auf Papa´s i-Pad schon das 4. Upgrade erreicht." Da frag ich mich, ob ein Berliner Großstadtkind überhaupt noch einen Bauernhof besuchen sollte, um zu wissen, welche Farben eine Kuh hat, wenn er in der gleichen Zeit auf Papa´s i-Pad sein fünftes Upgrade erreichen könnte...
Auch in der Kita macht sich die "Generation Technik" bemerkbar.
Wir haben freitags Spielzeugtag. Die Kinder schleppen ihre Autos, Puppen, Stofftiere, auch mal Nagellack mit (was postwendend auf dem Regal landet - liebe Eltern, bitte, unser Job ist anstrengend genug), aber die bisherige Krönung war ein 3jähriges Mädchen, das ihr EIGENES Tablet mitbrachte. In Windeseile hatte sie den Kindern erklärt, wie die Spiele darauf funktionierten und alle spielten begeistert. Mit Schnuller und Windelpo. Bitte schön.
Eigentlich bin ich gar nicht gegen Videospiele, falls man das heute noch so nennt. Games oder wie auch immer fördern Kinder ja auch, wenn sie es in Maßen spielen. Die Kinder entwickeln ziemlich gute Reflexe und werden reaktionsschneller. Viel schneller. Sie sind aufmerksam und konzentriert, was sich auch in anderen Bereichen ihres Alltags zeigt. Die Hand-Auge-Koordination wird geschult und ich habe den Eindruck, dass es den Gehirnzellen keineswegs schadet. Im Gegenteil, wahrscheinlich entstehen Milliarden von neuen Synapsen.
Viele Eltern wehren sich dagegen. Kein Fernsehen, keine DVDs, bloß keine Technik-Games. Warum nicht? Ich war selbst ein Fernsehkind und sicher eins, vor dem alle Psychologen gewarnt hätten. Ich habe von Heidi über Pinocchio, Sesamstraße, Sendung mit der Maus, Sandmännchen, Biene Maja, Tiersendungen ohne Ende, Sindbad bis hin zur Adamsfamily alles gesehen. Und ich halte mich für intelligent mit sehr gutem Allgemeinwissen, besonders im Tierbereich. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe, bin sehr kreativ und war eine gute Schülerin. Hätte ich gelernt, wär ich sicher eine SEHR gute Schülerin gewesen. Aber eine Einschränkung möchte ich unbedingt machen: Lasst eure Kinder nicht alleine das Programm aussuchen, besonders nicht nachts, wenn die Eltern schon schlafen und so schöne Tierfilme laufen wie "Der weiße Hai" oder "Roar - Die Löwen sind los". (Das Trauma von letzterem habe ich bis heute nicht überwunden, ich habe panische Angst vor Raubkatzen.) Also, alles in Maßen, gewaltfrei und unter Aufsicht...
Trotzdem - die Zukunft ist Technik. Vor 13 Jahren bekam ich mein erstes Handy. Ich war schon 30 Jahre alt. Unglaublich. Heute haben die Kinder mit 8 ein Handy, damit sie bescheid sagen können, dass sie heil zur Schule gekommen sind, auf dem Schulhof nicht verprügelt wurden, wieder zuhause gelandet sind und mit dem selbstgemachten Rührei keinen Großbrand ausgelöst haben. Dass sie noch zu Freunden gehen, dass sie die Hausaufgabe in Mathe nicht verstehen und und und. Ohne Handy geht´s doch kaum noch. Was sich bereits bei meinen 3jährigen bemerkbar macht.
Ich bin ein großer Freund von "realem" Spielzeug, ich kann mich erinnern, dass ich es selber viel lieber mochte. Ein echter Kochtopf, statt diese Mini-Plastikpfannen. Echter Pfannenwender, statt Mini-Holzkochlöffel. Aus der Erwachsenenwelt muss es sein. Oder zumindest so aussehen. Ich habe mal vor einer Weile echte Handyprototypen zum Spielen bekommen. Sie sehen absolut echt aus, haben aber keine Funktion. Von ehemals 30 Handys sind noch 3 übrig. (Wo bitte schön, sind die anderen 27 geblieben?????????) Ich habe noch vier ausrangierte Heimtelefone dazu gepackt. Dass sie größer sind, als die Handys stört die Kinder nicht, schließlich sind sie ja echt, also gleichermaßen beliebt.
Und dann ergab sich folgende Szene:
Zwei Jungs und ein Mädchen, alle 3 Jahre alt, spielen unter unserer Holzburg, dass sie zusammen wohnen. Junge 1 kommt "nach hause" und sagt zu Junge 2: "Hast du mein Handy aufgeladen?"
Junge 2 antwortet sich vor die Stirn hauend: "Ach herrje, das hab ich ganz vergessen."
Junge 1 flippt daraufhin total aus und brüllt (ernsthaft): "Ich habe dir extra gesagt, du sollst es aufladen!!! Wie kann man denn SOWAS vergessen??? Womit soll ich jetzt bitte telefonieren???" Und an das Mädchen gewandt: "Kann ich mal dein Handy haben, oder ist das auch alle?"
Da frag ich mich, was passiert, wenn es später mal ein echtes Handy ist?
Die Handys sind bei Jungen und Mädchen gleichermaßen beliebt und es ist doch immer wieder total witzig anzuschauen, wie besonders die Mädchen Mama nachmachen. Mit einer Hand schieben sie den Puppenwagen, über dem anderen Arm hängt eine Tasche und mühsam wird das Handy mit dem Taschenarm ans Ohr geklemmt, während sie wirklich angeregt telefonieren. Meistens mit Mama. Und sie reden über das, was sie gerade machen. "Ich bring gerade das Baby in den Kindergarten." Oder "Was soll ich noch einkaufen?" Und wenn ihr einer im Weg steht, wird er mit dem Puppenwagen einfach überrollt, darauf kann man mit 3 Jahren nicht auch noch achten. Vielleicht wäre sie aber ausgewichen, hätte sie im Videospiel Erfahrung gehabt.
Letztens sagte ein 5jähriger zu meiner Kollegin: "Ich hab auf Papa´s i-Pad schon das 4. Upgrade erreicht." Da frag ich mich, ob ein Berliner Großstadtkind überhaupt noch einen Bauernhof besuchen sollte, um zu wissen, welche Farben eine Kuh hat, wenn er in der gleichen Zeit auf Papa´s i-Pad sein fünftes Upgrade erreichen könnte...
Donnerstag, 22. November 2012
Deutsche Sprache, schwere Sprache
In unserer Kita sind einige Kinder mit Migrationshintergrund, allein in meiner Gruppe tummeln sich viele Nationen, die ein herrlich buntes Bild ergeben.
Da ist mein isländisches Kind. Isländisch ist eine ziemlich schwere Sprache, klingt dem englischen nicht annähernd ähnlich. Deshalb wird es dem Kleinen auch schwer fallen, Deutsch zu lernen, es klingt so ganz anders, als das was er kennt. Und doch macht er jeden Tag Fortschritte und bemüht sich. Mir ist auch sehr wohl aufgefallen, dass die Eltern immer besser deutsch sprechen können.
Auch vor meiner russischen Mama in der Gruppe kann ich nur den Hut ziehen, sie hat in Windeseile unsere Sprache gelernt. Sie sind so ehrgeizig, da können wir Deutschen uns noch eine dicke Scheibe abschneiden.
Eine süße Konstellation sind auch die bosnische Mama und der türkische Papa, die sich nicht ganz fehlerfrei auf deutsch unterhalten. Die drei Jungs sprechen deutsch besser, als die anderen Sprachen.
Aber nun kommt das Highlight meiner Gruppe, ich hatte bereits die große Schwester und war fasziniert, nun ist der kleine Bruder in meiner Gruppe. Mama Türkin, Papa Amerikaner. Die Eltern unterhalten sich englisch miteinander und auch ich nutze die Chance, um mein Englisch zu verbessern, in dem ich mit ihnen möglichst nur englisch rede. Die Mama spricht auch ausreichend deutsch, um sich gut verständlich zu machen. Mit ihren Kindern spricht sie türkisch oder englisch. Der Papa spricht sehr gut deutsch und kann auch türkisch, mit den Kindern spricht er englisch. Die Tochter spricht überwiegend englisch, obwohl sie auch die anderen beiden Sprachen perfekt beherrscht. Der Sohn spricht mit mir deutsch mit amerikanischem Akzent, mit Mama türkisch und mit Papa englisch, er schaltet von Person zu Person problemlos um. Der Kleine ist 3 Jahre alt.
Eltern, seid ihr mehrsprachig - lasst eure Kinder daran teil haben!!! Es ist wirklich Sünde, wenn ihr eure Muttersprache vernachlässigt und euch bei dem Kind auf nur eine Sprache beschränkt! Ganz schlimm, wenn ihr selber die Sprache, die ihr mit dem Kind sprecht nicht richtig beherrscht.
Kinder lernen noch so spielend leicht, und wünscht sich nicht jeder, mehrere Sprachen zu sprechen? Eure Kinder könnten es ganz leicht haben, wenn ihr es ihnen ermöglicht!!!
Es geht auch anders herum. Wir bieten ab 3 Jahren Englischunterricht im Kindergarten an. Ich habe ein Mädchen in der Gruppe, das ist deutsch, beide Eltern, Großeltern deutsch. Neulich spricht mich die Englischlehrerin an, ob dieses Mädchen einen Elternteil hat, der muttersprachlich englisch spricht, denn die Kleine spricht nach ein paar Stunden so erstaunlich gut, dass die Lehrerin (Muttersprache Englisch) zu diesem Schluss kommt.
Ermöglicht euren Kindern jetzt die Sprachen, je älter sie werden, desto schwerer wird es. Englisch im Kindergarten ist nicht unnütz, es ist ein wichtiger Grundstein.
Aber gerade gestern hatte ich ein großes Problem, einem deutschen Kind die deutsche Sprache plausibel zu erklären.
Ich schaue mir mit einem kleinen Jungen ein Polizei-Buch an.
Junge: Guck mal, der Pistole.
Ich: Das heißt DIE Pistole.
Junge: Guck mal, der schießt mit DIE Pistole.
Ich: Das heißt mit DER Pistole.
Deutsche Sprache, schwere Sprache.
Da ist mein isländisches Kind. Isländisch ist eine ziemlich schwere Sprache, klingt dem englischen nicht annähernd ähnlich. Deshalb wird es dem Kleinen auch schwer fallen, Deutsch zu lernen, es klingt so ganz anders, als das was er kennt. Und doch macht er jeden Tag Fortschritte und bemüht sich. Mir ist auch sehr wohl aufgefallen, dass die Eltern immer besser deutsch sprechen können.
Auch vor meiner russischen Mama in der Gruppe kann ich nur den Hut ziehen, sie hat in Windeseile unsere Sprache gelernt. Sie sind so ehrgeizig, da können wir Deutschen uns noch eine dicke Scheibe abschneiden.
Eine süße Konstellation sind auch die bosnische Mama und der türkische Papa, die sich nicht ganz fehlerfrei auf deutsch unterhalten. Die drei Jungs sprechen deutsch besser, als die anderen Sprachen.
Aber nun kommt das Highlight meiner Gruppe, ich hatte bereits die große Schwester und war fasziniert, nun ist der kleine Bruder in meiner Gruppe. Mama Türkin, Papa Amerikaner. Die Eltern unterhalten sich englisch miteinander und auch ich nutze die Chance, um mein Englisch zu verbessern, in dem ich mit ihnen möglichst nur englisch rede. Die Mama spricht auch ausreichend deutsch, um sich gut verständlich zu machen. Mit ihren Kindern spricht sie türkisch oder englisch. Der Papa spricht sehr gut deutsch und kann auch türkisch, mit den Kindern spricht er englisch. Die Tochter spricht überwiegend englisch, obwohl sie auch die anderen beiden Sprachen perfekt beherrscht. Der Sohn spricht mit mir deutsch mit amerikanischem Akzent, mit Mama türkisch und mit Papa englisch, er schaltet von Person zu Person problemlos um. Der Kleine ist 3 Jahre alt.
Eltern, seid ihr mehrsprachig - lasst eure Kinder daran teil haben!!! Es ist wirklich Sünde, wenn ihr eure Muttersprache vernachlässigt und euch bei dem Kind auf nur eine Sprache beschränkt! Ganz schlimm, wenn ihr selber die Sprache, die ihr mit dem Kind sprecht nicht richtig beherrscht.
Kinder lernen noch so spielend leicht, und wünscht sich nicht jeder, mehrere Sprachen zu sprechen? Eure Kinder könnten es ganz leicht haben, wenn ihr es ihnen ermöglicht!!!
Es geht auch anders herum. Wir bieten ab 3 Jahren Englischunterricht im Kindergarten an. Ich habe ein Mädchen in der Gruppe, das ist deutsch, beide Eltern, Großeltern deutsch. Neulich spricht mich die Englischlehrerin an, ob dieses Mädchen einen Elternteil hat, der muttersprachlich englisch spricht, denn die Kleine spricht nach ein paar Stunden so erstaunlich gut, dass die Lehrerin (Muttersprache Englisch) zu diesem Schluss kommt.
Ermöglicht euren Kindern jetzt die Sprachen, je älter sie werden, desto schwerer wird es. Englisch im Kindergarten ist nicht unnütz, es ist ein wichtiger Grundstein.
Aber gerade gestern hatte ich ein großes Problem, einem deutschen Kind die deutsche Sprache plausibel zu erklären.
Ich schaue mir mit einem kleinen Jungen ein Polizei-Buch an.
Junge: Guck mal, der Pistole.
Ich: Das heißt DIE Pistole.
Junge: Guck mal, der schießt mit DIE Pistole.
Ich: Das heißt mit DER Pistole.
Deutsche Sprache, schwere Sprache.
Montag, 3. September 2012
Mittagsschlaf
Wenn wir "Mittagsschlaf" hören, lächeln wir selig.
Wenn Kinder "Mittagsschlaf" hören, werden sie unwirsch oder fangen an zu weinen. Ätzend, diese Schlaferei.
Aber die Kinder kommen nicht drum herum. Mama und Papa bestehen darauf, wir Erzieher setzen es um.
Bei uns schlafen die Kinder nach den Wünschen der Eltern. Mit vier Jahren schläft schon keiner mehr, weil die Kleinen angeblich vor 23 Uhr dann nicht mehr einschlafen. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Mit drei wird die "Dosis" langsam herunter gesetzt, von 5x die Woche Mittagsschlaf auf 3x, dann auf 2x bis die Kinder ganz davon befreit sind. Das ist für sie wie Geburtstag, Ostern und Weihnachten an einem Tag. Und damit es auch ja keiner vergisst, wird in den ersten 3 Wochen des Nicht-Mehr-Schlafens vom Ex-Schlafkind penetrant darauf hingewiesen. Oder fragend vergewissert: "Muss ich heute schlafen?" Die Frage stellen sie 10x bis zum Mittag. Ein banger Blick - dann die Erleichterung, wenn wir Erhofftes bestätigen: Kein Mittagsschlaf mehr. Die Freude darüber gleicht fetter Euphorie.
Aber ein paar bleiben immer zum Schlafen übrig, am Anfang des Kitajahres noch mehr, weil die Neuen halt alle noch klein sind.
Und dann müssen auch ein oder zwei Erzieherinnen Schlafwache halten, damit es keine Kissenschlachten oder Schlafanzugtausch gibt. In dieser Saison sind es vier Erzieherinnen und das aus gutem Grund.
Es gibt Erzieherinnen, die gerne die Schlafwache machen, die dann ab und zu selber ins Land der Träume gleiten und die anschließend zerknautscht mit roter Schlaffalte vom Kissen weiter arbeiten.
Und es gibt (wenige) Erzieherinnen, die nicht gerne diese kleine Auszeit nehmen. Zu denen gehöre ich. Heute musste ich mal ran.
Von den 10 Schlafkindern schlafen Drei ein, bevor sie das zweite Bein im Bett haben, bevorzugt auch schon beim Essen am Tisch.
Weitere vier Kinder brauchen ca. 20 Minuten, bevor sie entspannt zuckend in den Schlaf sinken, was sie relativ unbemerkt tun.
Und die letzten 3 Kinder: HILFE!
Kind 1 wälzt sich im Bett hin und her, als hätte jemand Ameisen hinein gekippt. Hin. Her. Hin. Her. Aus dem Bett gekullert. Wieder hineingelegt. Hin. Her. Gegen die Wand gebummert, noch mal aus dem Bett. 50 Minuten lang.
Kind 2 macht Geräusche ohne Ende. "Pst" hilft nicht, es blubbert und zischt weiter. "Pssssssssssscht" hilft auch nicht. Den Kopf kraulen. Hilft 5 Sekunden, bevor es sich unruhig wieder bewegt und meine kraulende Hand gleich dahin schiebt, wo es angenehmer ist, links am Kopf, rechts am Kopf, Stirn, Bauch - oder ist das nur Langeweile? Ich hör auf zu kraulen. Den Finger mal sacht an den Kindsmund gelegt hilft 10 Sekunden. Zum Verzweifeln. Es wird gesummt und gebrummt bis ein lautes Donnerwetter folgt. Hilft 2 Minuten. Und wenn ich Glück habe, schläft das Kind in den 2 Minuten endlich ein.
ABER dann hab ich ja noch Kind drei, der in die Stille hinein völlig hemmungslos und fehlerfrei "Die Forelle" von Schubert singt, ein Lied, das ein noch nicht mal Dreijähriger eigentlich gar nicht kann, weil es viel zu kompliziert ist.
Darum brauchen wir im Moment 4 Leute in der Schlafwache.
Bevor die Drei eingeschlafen sind, kämpfe ich schon lange mit dem Sandmann, reiße in der Dunkelheit die Augen auf, damit ich in der Schlafwache nicht schlafe sondern wache und fühle mich nach 50 Minuten völlig gerädert. Kalt ist mir auch. Und zum Ausgleich brauche ich dringend eine halbe Tafel Schokolade.
Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich die Schlafwache nicht gerne mache?
Aber könnt ihr auch verstehen, warum die anderen Erzieherinnen sie gerne machen???
Wenn Kinder "Mittagsschlaf" hören, werden sie unwirsch oder fangen an zu weinen. Ätzend, diese Schlaferei.
Aber die Kinder kommen nicht drum herum. Mama und Papa bestehen darauf, wir Erzieher setzen es um.
Bei uns schlafen die Kinder nach den Wünschen der Eltern. Mit vier Jahren schläft schon keiner mehr, weil die Kleinen angeblich vor 23 Uhr dann nicht mehr einschlafen. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Mit drei wird die "Dosis" langsam herunter gesetzt, von 5x die Woche Mittagsschlaf auf 3x, dann auf 2x bis die Kinder ganz davon befreit sind. Das ist für sie wie Geburtstag, Ostern und Weihnachten an einem Tag. Und damit es auch ja keiner vergisst, wird in den ersten 3 Wochen des Nicht-Mehr-Schlafens vom Ex-Schlafkind penetrant darauf hingewiesen. Oder fragend vergewissert: "Muss ich heute schlafen?" Die Frage stellen sie 10x bis zum Mittag. Ein banger Blick - dann die Erleichterung, wenn wir Erhofftes bestätigen: Kein Mittagsschlaf mehr. Die Freude darüber gleicht fetter Euphorie.
Aber ein paar bleiben immer zum Schlafen übrig, am Anfang des Kitajahres noch mehr, weil die Neuen halt alle noch klein sind.
Und dann müssen auch ein oder zwei Erzieherinnen Schlafwache halten, damit es keine Kissenschlachten oder Schlafanzugtausch gibt. In dieser Saison sind es vier Erzieherinnen und das aus gutem Grund.
Es gibt Erzieherinnen, die gerne die Schlafwache machen, die dann ab und zu selber ins Land der Träume gleiten und die anschließend zerknautscht mit roter Schlaffalte vom Kissen weiter arbeiten.
Und es gibt (wenige) Erzieherinnen, die nicht gerne diese kleine Auszeit nehmen. Zu denen gehöre ich. Heute musste ich mal ran.
Von den 10 Schlafkindern schlafen Drei ein, bevor sie das zweite Bein im Bett haben, bevorzugt auch schon beim Essen am Tisch.
Weitere vier Kinder brauchen ca. 20 Minuten, bevor sie entspannt zuckend in den Schlaf sinken, was sie relativ unbemerkt tun.
Und die letzten 3 Kinder: HILFE!
Kind 1 wälzt sich im Bett hin und her, als hätte jemand Ameisen hinein gekippt. Hin. Her. Hin. Her. Aus dem Bett gekullert. Wieder hineingelegt. Hin. Her. Gegen die Wand gebummert, noch mal aus dem Bett. 50 Minuten lang.
Kind 2 macht Geräusche ohne Ende. "Pst" hilft nicht, es blubbert und zischt weiter. "Pssssssssssscht" hilft auch nicht. Den Kopf kraulen. Hilft 5 Sekunden, bevor es sich unruhig wieder bewegt und meine kraulende Hand gleich dahin schiebt, wo es angenehmer ist, links am Kopf, rechts am Kopf, Stirn, Bauch - oder ist das nur Langeweile? Ich hör auf zu kraulen. Den Finger mal sacht an den Kindsmund gelegt hilft 10 Sekunden. Zum Verzweifeln. Es wird gesummt und gebrummt bis ein lautes Donnerwetter folgt. Hilft 2 Minuten. Und wenn ich Glück habe, schläft das Kind in den 2 Minuten endlich ein.
ABER dann hab ich ja noch Kind drei, der in die Stille hinein völlig hemmungslos und fehlerfrei "Die Forelle" von Schubert singt, ein Lied, das ein noch nicht mal Dreijähriger eigentlich gar nicht kann, weil es viel zu kompliziert ist.
Darum brauchen wir im Moment 4 Leute in der Schlafwache.
Bevor die Drei eingeschlafen sind, kämpfe ich schon lange mit dem Sandmann, reiße in der Dunkelheit die Augen auf, damit ich in der Schlafwache nicht schlafe sondern wache und fühle mich nach 50 Minuten völlig gerädert. Kalt ist mir auch. Und zum Ausgleich brauche ich dringend eine halbe Tafel Schokolade.
Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich die Schlafwache nicht gerne mache?
Aber könnt ihr auch verstehen, warum die anderen Erzieherinnen sie gerne machen???
Sonntag, 12. August 2012
Die Liebe und das Küssen
Es gibt ja so einige Trends in den Gruppen, die immer mal wieder aufkommen.
Da bringt ein Kind plötzlich das Wort "Scheiße" mit, ohne dass wir drum gebeten haben und da ist es. Sitzt fest, lässt sich mit keinem Desinfektionszeug entfernen.
"Scheiße", der erste Erwachsene meckert. Ich bin das nicht, denn ich weiß inzwischen, dass es am schnellsten geht, wenn man nicht darauf reagiert. Aber irgendwer reagiert immer und das möglichst entsetzt.
Ein jedes Kind zwischen zwei und vier speichert das sofort ab, registriert genau die Erwachsenenreaktion und findet es absolut grandios, ganz heimlich. WIR haben ja nicht mal gemerkt, dass das Kind irgendwo "Scheiße" aufgeschnappt hat.
Aber wie gesagt plötzlich ist es da und verseucht ein paar Wochen lang den Gruppenraum und die Stimmung unter den Eltern.
Das "Doktorspielen" würde ich auch in diese Kategorie einstufen, wenn Kinder (meist mit 3,5 Jahren) anfangen, sich und auch gerne andere Kinder und ihre Körperöffnungen zu entdecken. Das löst ebenfalls eine Welle der Empörung aus. Bei einigen. Ich sehe in erster Linie die Gefahren, die es mit sich bringt, denn gewisse Körperöffnungen eignen sich nicht, um Spielzeug zu versenken und damit meine ich nicht nur die Nase. Ich greife ein, aber ganz ruhig, nicht vermitteln, dass das Entdecken des Körpers etwas Verbotenes ist.
Die Kinder verstehen das meist ganz gut.
Und nun ist ein neues Phänomen aufgetreten. Es ist in meinen 24 Erzieherjahren das erste Mal, absolut einmalig und wunderschön, ich werde nicht eingreifen.
Vor einer Woche habe ich die großen Kinder (vier und fast vier Jahre jung) in die größere Gruppe abgegeben. Eins dieser Ex-Kinder sagte vor einiger Zeit "Ich liebe dich, Birgit!" völlig von allein. Und es hat mich so gerührt, dass ich die Maus in den Arm nahm, auf die Wange küsste und sagte, dass ich sie auch ganz doll lieb habe. Stimmt auch!
Und wie schon bei "Scheiße", registrierten auch hier die aufmerksamen kleinen Wesen um mich herum die Reaktion auf "Ich liebe dich." Meine Reaktion gefiel. So gut, dass die nächsten in "Ich liebe dich!" einstiegen. Ich fand das sehr süß, auch wenn die Trittbrettfrahrer nicht von alleine darauf gekommen wären. Aber es klingt doch sehr schön. Und so lächelte ich immer fleißig betreffendes Kind an, drückte es oder antwortete mit "Ich hab dich auch lieb!"
Einmal kam das Kind, was diese Harmonie-Welle losgetreten hat zu mir und sagte: "Meine Mama sagt, zu ihr und Papa kann ich "Ich liebe dich" sagen, aber zu allen anderen soll ich "Ich hab dich lieb" sagen. Aber," und dann beugte sie sich zu meinem Ohr und fing an zu flüstern,"dich liebe ich trotzdem."
Ab wieviel Jahren kann ein Kind "Ich liebe dich" und "Ich hab dich lieb" unterscheiden? Ich war erstaunt.
Nun sind ein Teil der "Ich-liebe-dich-Kinder" in die nächste Gruppe gewechselt, aber ein Teil blieb und infizierte gerade die zweijährigen Neuankömmlinge, die das gleich übernahmen und sich über meine positive Reaktion genauso freuten, wie die Vierjährigen. Warum auch nicht, ein ehrlichers Lächeln oder gar Strahlen setzt so viel Positives in seinem Gegenüber frei, ganz besonders bei Kindern.
Aber dann ging es weiter. Beim Tee fragte ein Kind, ob es aufstehen und mir ein Küßchen geben darf. Beim Essen stehen wir eigentlich nicht auf, aber bei einer so süßen Bitte, kann man ja nicht NEIN sagen. Ich erlaubte es und hielt meine Wange hin. Das nächste Mädchen fragte natürlich keine drei Sekunden später. Erlaube ich es einem, muss ich es allen erlauben. Das nutzten fünf Kinder aus und fragten in Runde zwei nicht mal mehr, ob sie aufstehen dürfen. Als es mir dann doch etwas viel und unruhig wurde, bat ich sie, doch sich gegenseitig zu küssen, ich könnte so viele Küsse gar nicht tragen. Der Hintergedanke war, dass sie die anderen Kinder nicht küssen würden und sicher endlich Ruhe am Esstisch einkehrt.
Aber wann machen Kinder schon mal das, was man erwartet? Sie fingen an aufzustehen, um sich gegenseitig liebevoll zu umarmen und auf die Wangen zu küssen. Zum Glück nicht auf den Mund, das hätte sicher schon wieder Ärger gegeben und eine ansteckende Epedemie verursacht.
Und dieses Gedrücke und Geknutsche unter den Zwei- und Dreijährigen war sooooo süß anzusehen, alle haben überglücklich gestrahlt, die Stimmung war nicht mit Worten zu beschreiben.
Es war eine einmalige Sache, aber es hat dazu beigetragen, dass sich die neu zusammengewürfelte Gruppe schneller näher kam, als ich es je zuvor erlebt habe.
Das ist gut, ich versuche den Kindern zu vermitteln, dass wir EINE Gruppe sind, zusammenhalten und aufeinander aufpassen müssen. Einer für alle, alle für einen. Das könnte dieses Jahr ganz gut klappen.
Und wer wissen will, wie "Scheiße" in der Kitagruppe am schnellsten verschwindet: Ich verteile einen kleinen Stempel auf die Hand, aber nur an die Kinder die dieses Wort heute nicht gesagt haben. Am nächsten Tag war "Scheiße" verschwunden und kam nie wieder...
Da bringt ein Kind plötzlich das Wort "Scheiße" mit, ohne dass wir drum gebeten haben und da ist es. Sitzt fest, lässt sich mit keinem Desinfektionszeug entfernen.
"Scheiße", der erste Erwachsene meckert. Ich bin das nicht, denn ich weiß inzwischen, dass es am schnellsten geht, wenn man nicht darauf reagiert. Aber irgendwer reagiert immer und das möglichst entsetzt.
Ein jedes Kind zwischen zwei und vier speichert das sofort ab, registriert genau die Erwachsenenreaktion und findet es absolut grandios, ganz heimlich. WIR haben ja nicht mal gemerkt, dass das Kind irgendwo "Scheiße" aufgeschnappt hat.
Aber wie gesagt plötzlich ist es da und verseucht ein paar Wochen lang den Gruppenraum und die Stimmung unter den Eltern.
Das "Doktorspielen" würde ich auch in diese Kategorie einstufen, wenn Kinder (meist mit 3,5 Jahren) anfangen, sich und auch gerne andere Kinder und ihre Körperöffnungen zu entdecken. Das löst ebenfalls eine Welle der Empörung aus. Bei einigen. Ich sehe in erster Linie die Gefahren, die es mit sich bringt, denn gewisse Körperöffnungen eignen sich nicht, um Spielzeug zu versenken und damit meine ich nicht nur die Nase. Ich greife ein, aber ganz ruhig, nicht vermitteln, dass das Entdecken des Körpers etwas Verbotenes ist.
Die Kinder verstehen das meist ganz gut.
Und nun ist ein neues Phänomen aufgetreten. Es ist in meinen 24 Erzieherjahren das erste Mal, absolut einmalig und wunderschön, ich werde nicht eingreifen.
Vor einer Woche habe ich die großen Kinder (vier und fast vier Jahre jung) in die größere Gruppe abgegeben. Eins dieser Ex-Kinder sagte vor einiger Zeit "Ich liebe dich, Birgit!" völlig von allein. Und es hat mich so gerührt, dass ich die Maus in den Arm nahm, auf die Wange küsste und sagte, dass ich sie auch ganz doll lieb habe. Stimmt auch!
Und wie schon bei "Scheiße", registrierten auch hier die aufmerksamen kleinen Wesen um mich herum die Reaktion auf "Ich liebe dich." Meine Reaktion gefiel. So gut, dass die nächsten in "Ich liebe dich!" einstiegen. Ich fand das sehr süß, auch wenn die Trittbrettfrahrer nicht von alleine darauf gekommen wären. Aber es klingt doch sehr schön. Und so lächelte ich immer fleißig betreffendes Kind an, drückte es oder antwortete mit "Ich hab dich auch lieb!"
Einmal kam das Kind, was diese Harmonie-Welle losgetreten hat zu mir und sagte: "Meine Mama sagt, zu ihr und Papa kann ich "Ich liebe dich" sagen, aber zu allen anderen soll ich "Ich hab dich lieb" sagen. Aber," und dann beugte sie sich zu meinem Ohr und fing an zu flüstern,"dich liebe ich trotzdem."
Ab wieviel Jahren kann ein Kind "Ich liebe dich" und "Ich hab dich lieb" unterscheiden? Ich war erstaunt.
Nun sind ein Teil der "Ich-liebe-dich-Kinder" in die nächste Gruppe gewechselt, aber ein Teil blieb und infizierte gerade die zweijährigen Neuankömmlinge, die das gleich übernahmen und sich über meine positive Reaktion genauso freuten, wie die Vierjährigen. Warum auch nicht, ein ehrlichers Lächeln oder gar Strahlen setzt so viel Positives in seinem Gegenüber frei, ganz besonders bei Kindern.
Aber dann ging es weiter. Beim Tee fragte ein Kind, ob es aufstehen und mir ein Küßchen geben darf. Beim Essen stehen wir eigentlich nicht auf, aber bei einer so süßen Bitte, kann man ja nicht NEIN sagen. Ich erlaubte es und hielt meine Wange hin. Das nächste Mädchen fragte natürlich keine drei Sekunden später. Erlaube ich es einem, muss ich es allen erlauben. Das nutzten fünf Kinder aus und fragten in Runde zwei nicht mal mehr, ob sie aufstehen dürfen. Als es mir dann doch etwas viel und unruhig wurde, bat ich sie, doch sich gegenseitig zu küssen, ich könnte so viele Küsse gar nicht tragen. Der Hintergedanke war, dass sie die anderen Kinder nicht küssen würden und sicher endlich Ruhe am Esstisch einkehrt.
Aber wann machen Kinder schon mal das, was man erwartet? Sie fingen an aufzustehen, um sich gegenseitig liebevoll zu umarmen und auf die Wangen zu küssen. Zum Glück nicht auf den Mund, das hätte sicher schon wieder Ärger gegeben und eine ansteckende Epedemie verursacht.
Und dieses Gedrücke und Geknutsche unter den Zwei- und Dreijährigen war sooooo süß anzusehen, alle haben überglücklich gestrahlt, die Stimmung war nicht mit Worten zu beschreiben.
Es war eine einmalige Sache, aber es hat dazu beigetragen, dass sich die neu zusammengewürfelte Gruppe schneller näher kam, als ich es je zuvor erlebt habe.
Das ist gut, ich versuche den Kindern zu vermitteln, dass wir EINE Gruppe sind, zusammenhalten und aufeinander aufpassen müssen. Einer für alle, alle für einen. Das könnte dieses Jahr ganz gut klappen.
Und wer wissen will, wie "Scheiße" in der Kitagruppe am schnellsten verschwindet: Ich verteile einen kleinen Stempel auf die Hand, aber nur an die Kinder die dieses Wort heute nicht gesagt haben. Am nächsten Tag war "Scheiße" verschwunden und kam nie wieder...
Mittwoch, 20. Juni 2012
Gedankenlesen
Da kommt ein neues Kind in die Gruppe, es ist das Kleinste, gerade mal 2 Jahre und sagt kein Wort. Es ist ein fröhliches Kind, immer am lächeln und kommt auch schnell zu mir, aber es sagt kein Wort.
Eines Tages, als es abgeholt wird, redet es fleißig mit der Mama. Ach, es kann reden. Okay.
Ich frage viel, aber es sagt kein Wort, lächelt nur oder lacht fröhlich.
Das Mittagessen kommt. Das Kind isst gerne und viel, ich habe immer ohne viel Fragen aufgetan, wenn der Teller leer war, notfalls konnte er es ja einfach stehen lassen. Aber er aß und sagte kein Wort.
So mein Freund, dachte ich, ich hab dich reden hören, versuchen wir mal etwas anderes.
Die erste Portion war aufgegessen. Er lächelt mich an. Ich reagiere erstmal nur mit einem Lächeln zurück, aber fülle den Teller nicht neu. Er sagt kein Wort, lächelt nur weiter. Ich frage, ob er noch etwas essen möchte. Er sagt kein Wort, lächelt nur weiter. Ich frage noch mal. Er lächelt. Ich frage noch mal und gebe ihm schon die Antwort vor, er müsste nur mein Nicken nachmachen. Er lächelt. Ich reagiere nicht weiter, lächel nur zurück. Heute kein weiteres Essen. (Ist nicht so schlimm, die erste Portion war schon nicht klein und es gibt ja noch weitere Mahlzeiten.)
Es dauert eine Woche, bis er etwas sagt, aber es hat geklappt. Seit dem plappert er wie ein Wasserfall :-)
Aus einer anderen Sicht.
Ich bin erst 2 Jahre alt und komme in die Kita, die Erzieherin scheint nett zu sein, ich lächel mal, macht sie ja auch.
Es gibt Essen. Ich esse alles und davon reichlich. Mit jedem Lächeln bekomme ich eine neue Portion, klappt hervorragend.
Aber eines Tages klappt es plötzlich nicht mehr. Ich lächel und bekomme trotzdem nichts. Ich lächel weiter. Meine Erzieherin will dauern wissen, ob ich mehr möchte, klar, siehst du nicht mein Lächeln? Warum krieg ich nichts mehr?
Ich möchte meinen Joghurt aufgemacht haben. Ich versuche es mal mit einem Lächeln. Meine Erzieherin lächelt zurück. Ich halte ihr den Joghurt hin, sie wird doch wohl wissen, was ich will. Sie lächelt und gibt mir einen Löffel. Manno, das Ding soll auf. Ich fummel so lange daran herum, bis ich den Deckel alleine abkriege.
Aber ich merke langsam:
Das mit dem Lächeln klappt irgendwie nicht mehr. Naja, dann kann ich meine Tarnung ja aufgeben, ich kann nämlich schon ganz toll reden. Und dafür erzähle ich meiner Erzieherin jetzt absolut alles, was mir durch den Kopf geht, so!
Ich glaube am meisten nerve ich sie mit der Frage "Wer war das?" Das habe ich heute mindestens 324x gefragt; wenn einer herein kam, wenn das Telefon klingelte, wenn jemand am Fenster vorbei lief, wenn ihr Handy eine SMS bekam u.s.w. Ist lustig, wenn ihr keine Antworten mehr einfallen.
Aber wir lächeln uns immer noch an :-))))))
Eines Tages, als es abgeholt wird, redet es fleißig mit der Mama. Ach, es kann reden. Okay.
Ich frage viel, aber es sagt kein Wort, lächelt nur oder lacht fröhlich.
Das Mittagessen kommt. Das Kind isst gerne und viel, ich habe immer ohne viel Fragen aufgetan, wenn der Teller leer war, notfalls konnte er es ja einfach stehen lassen. Aber er aß und sagte kein Wort.
So mein Freund, dachte ich, ich hab dich reden hören, versuchen wir mal etwas anderes.
Die erste Portion war aufgegessen. Er lächelt mich an. Ich reagiere erstmal nur mit einem Lächeln zurück, aber fülle den Teller nicht neu. Er sagt kein Wort, lächelt nur weiter. Ich frage, ob er noch etwas essen möchte. Er sagt kein Wort, lächelt nur weiter. Ich frage noch mal. Er lächelt. Ich frage noch mal und gebe ihm schon die Antwort vor, er müsste nur mein Nicken nachmachen. Er lächelt. Ich reagiere nicht weiter, lächel nur zurück. Heute kein weiteres Essen. (Ist nicht so schlimm, die erste Portion war schon nicht klein und es gibt ja noch weitere Mahlzeiten.)
Es dauert eine Woche, bis er etwas sagt, aber es hat geklappt. Seit dem plappert er wie ein Wasserfall :-)
Aus einer anderen Sicht.
Ich bin erst 2 Jahre alt und komme in die Kita, die Erzieherin scheint nett zu sein, ich lächel mal, macht sie ja auch.
Es gibt Essen. Ich esse alles und davon reichlich. Mit jedem Lächeln bekomme ich eine neue Portion, klappt hervorragend.
Aber eines Tages klappt es plötzlich nicht mehr. Ich lächel und bekomme trotzdem nichts. Ich lächel weiter. Meine Erzieherin will dauern wissen, ob ich mehr möchte, klar, siehst du nicht mein Lächeln? Warum krieg ich nichts mehr?
Ich möchte meinen Joghurt aufgemacht haben. Ich versuche es mal mit einem Lächeln. Meine Erzieherin lächelt zurück. Ich halte ihr den Joghurt hin, sie wird doch wohl wissen, was ich will. Sie lächelt und gibt mir einen Löffel. Manno, das Ding soll auf. Ich fummel so lange daran herum, bis ich den Deckel alleine abkriege.
Aber ich merke langsam:
Das mit dem Lächeln klappt irgendwie nicht mehr. Naja, dann kann ich meine Tarnung ja aufgeben, ich kann nämlich schon ganz toll reden. Und dafür erzähle ich meiner Erzieherin jetzt absolut alles, was mir durch den Kopf geht, so!
Ich glaube am meisten nerve ich sie mit der Frage "Wer war das?" Das habe ich heute mindestens 324x gefragt; wenn einer herein kam, wenn das Telefon klingelte, wenn jemand am Fenster vorbei lief, wenn ihr Handy eine SMS bekam u.s.w. Ist lustig, wenn ihr keine Antworten mehr einfallen.
Aber wir lächeln uns immer noch an :-))))))
Abonnieren
Posts (Atom)