Angeblich guckt es ja keiner und doch ist es jedes Jahr ein riesen Thema: Das Dschungelcamp und ihre ungewöhnlichen Prüfungen. Besonders die kulinarischen Prüfungen lassen uns heftig mitekeln.
Aber im Kindergarten ist es ja ähnlich. Für die Kinder ist es schon manchmal eine echte Zumutung, was wir ihnen zumuten. Da gibt es diese ekeligen kleinen froschgrünen Dinger, Erbsen. Es genügt schon den Deckel vom Topf zu lüften, damit sich das eine oder andere Kind heldenhaft über seinen Teller schmeißt, um ja keins von diesen Widerlichkeiten bei sich aufnehmen zu müssen. Auch ganz schlimm: Gemüsesuppe. Selbst ohne Fischaugen und Känguruhhoden ist es unerträglich. Wahrscheinlich würden sie eher einen Teller bunte Knete essen. Oder Soße, was sich darin für unbekannte Gefahren verbergen könnten, kann ein Kind ja gar nicht abschätzen. Die vier Portionen trockene Kartoffeln rutschen auch so, bloß kein Risiko eingehen.
Nein, es gibt Kinder, die halten sich grundsätzlich ans Ungefährliche: Nudeln, Reis ,Kartoffeln. Ende. Da kann nichts schief gehen. Da gibt es keine grünen Kugeln, gelbe Fingernägel, orangene Räder und Mini-Bäume. Ganz übersichtlich. Kartoffelbrei ist da allerdings schon wieder nicht ganz geheuer.
Natürlich sind das nur ein paar wenige Kinder. Die meisten sind unerschrockene Allesesser. So kam es vor, dass tatsächlich einige Kinder Blaubeerjoghurt haben wollten. Freiwillig, möchte ich betonen. Ein Mädchen sah seinem Nachbarn mit weit aufgerissenen Augen dabei zu. Und dann war da eine Blaubeere auf dem Löffel und verschwand im Mund des Jungen. Das Mädchen kreischte entsetzt auf und schrie "Jetzt hast du den Käfer mitgegessen."
Was glauben die Kinder eigentlich, was sie da zu essen bekommen???
Ich hatte mal eine Fahrradtour mit den Kindern und ihren Eltern. Ein Junge von knapp zwei Jahren saß hinter seinem Papa im Kindersitz. Bei einer kurzen Rast sah ich, dass eine Spinne (ein Weberknecht) an deren Radrahmen hoch krabbelte und wies darauf hin. Der Papa nahm das zappelnde Vieh und hielt es seinem Sohn vor das Gesicht, dabei sagte er: "Magst du das essen?" Der Junge machte sofort den Mund auf. (Der Papa hat die Spinne nicht verfüttert.) Aber so unterschiedlich sind Kinder. Er hätte sie tatsächlich gegessen.
Sie unterscheiden sich nicht nur in dem WAS sie essen, auch WIE sie essen. Ein Zweijähriger isst so ordentlich mit dem Löffel, dass er nie ein Lätzchen braucht. Ein vierjähriges Mädchen isst mit Händen, Löffel, Gabel und allem was zur Verfügung steht. Hinterher klebt die Tomatensauce auf dem Kopf, im Ohr und an den Wimpern, naja, das Auge isst ja bekanntlich mit. Wir sollten uns unsere Interpretation mal durch den Kopf gehen lassen, haben wir da etwas falsch verstanden?
Bei uns im Kindergarten haben die Kinder schon mal Ausgefallenes auf ihren Broten. Lachs. Kaviar. Leberpastete. Der Unterschied zwischen Leberwurst und Leberpastete ist: "Iiih, da ist Glibber in meiner Leberwurst." Aber er hat den Glibber nur vom Brot gepuhlt und die Stulle trotzdem gegessen. Andere hätten das Brot schon wieder an die Wand geschmissen.
Vernünftige Ernährung ist für uns schon schwierig, für Kinder fast unmöglich.
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